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So viele Fehler in einem Satz: „Statt auf Verbote und Reglementierung setzt die Ökonomin auf den Markt: Wenn mehr ökologische und nachhaltige Produkte gefragt würden, würden auch mehr angeboten.“
Hier zum Artikel.

Die Ökonomin hat leider vergessen, dass „Der Markt“ überhaupt nur mit Reglementierung funktioniert. Heißt nur anders: Marketing. Wenn eine US-amerikanische Schlagersängerin bei MTV mit einem viel zu kurzen Hemd rumhüpft und die zwischendurch auftretenden Clowns das auch noch als cool anpreisen, dann laufen weltweit, also in der USA-dominierten Welt, die verhaltensgestörten Mädels zum Klamottenjuden und kaufen das viel zu kurze Hemd für viel zu viel Geld. Wenn deutschtümelnde Sportler im Fernsehen zu sehen sind, wie sie sich braunen Fensterkitt auf die Stulle schmieren und das für ein gelungenes Frühstück halten, dann will der mittelmäßig begabte deutsche Jugendliche das auch haben. Scheint ja schlank und sportlich zu machen. Und Weltmeister.
So funktioniert der Markt.

Das aber weiß die Frau Ökonomin selbst, nur leider darf sie das vor einem Mikrofon nicht laut sagen, da sie im Land der Meinungsfreiheit dann sehr schnell ihren Job verlieren würde. Besser gesagt, ihr Job besteht geradezu daraus, dass sie das sagt, was ihr „Institut“ gesagt haben möchte. Und das sollte möglichst auch die Meinung der Sprechknechte sein. Für logische und richtige Schlüsse steht das Institut im falschen Land, nämlich in dem Land, in dem der Kapitalismus für eine gottgegebene und natürliche Gesellschaftsform gehalten wird. Zumindest wird das flächendeckend so gelehrt; meist von Leuten, die das auch glauben. Obwohl sie studiert haben.
Sie lachen über unsere Vorfahren, weil die so voll behämmert an Gott geglaubt haben, aber sie glauben an die Lehre vom Markt und wahrscheinlich auch an die Freiheit des Individuums und ähnlichen Nonsens.
Die Frau Ökonomin weiß mit Sicherheit, dass es für „unsere“ deutsche Industrie das größte Problem wäre, wenn die Mehrheit der Bevölkerung gebildet wäre und die Industrie durch ihr Konsumverhalten zwingen würde, endlich wieder natürliche Nahrungsmittel zu verkaufen. Wo man doch jahrzehntelang daran geforscht hat, wie man diese scheiß Natur aus den Lebensmitteln herausprügelt. Als das geschafft war, hat man die Menschen denaturiert.
BASF und Nestlé und Degussa usw. leben ausschließlich davon, dass das Volk Plastepizza und Schimmelpilzbrause mit Ammoniumsulfitzuckerkulör für Essen und Trinken hält.
Und das soll auch so bleiben. Zumindest wenn es nach dem Institut für deutsche Wirtschaft geht.
Da brauchen die sich aber keine Gedanken zu machen. Es sind nur ein paar verlassene Prozent der Bevölkerung, die sich hin und wieder mit Denken beschäftigen und damit der Wirtschafts-Politik ein paar Sorgenfalten auf die Stirn malen. Denn die hätte gern 100% Idioten.
Daran arbeiten sie.
Mit Erfolg, solange studierte Menschen mit ein paar Euro monatlich gekauft werden können, um in den Reihen der Weltverschlechterer zu kämpfen.
Damals, 1936 haben Millionen Deutsche auch gesagt, wie aus einem Mund: „Ich kann doch nichts dafür. Was soll ich machen? Ich habe ein Familie zu ernähren.“
So funktioniert der Markt.

Ökologische Produkte! Ts! Wenn man bei REWE nicht entdeckt hätte, dass man Bioprodukte sehr günstig von Negersklaven in Ghana ernten lassen kann, dann gäbe es bei REWE kein Bio.
Und Millionen Menschen rennen in deutsche Supermärkte, reißen sich um Pflanzenkost aus Ägypten und halten sich für bessere Menschen, weil sie sich weigern, ein deutsches Rind zu essen. Dasselbe Rind, das deutlich bessere Lebensbedingungen genießt, als der Bio-Textilarbeiter in Bangladesh.

Halb so wild.
So funktioniert der Markt.
Wirklich wild ist, dass die Journalisten es unterlassen haben, diesen gefährlichen Unfug zu hinterfragen. Dass sie überhaupt eine Industriehu -dame, zu Wort kommen lassen, wo die doch nichts anderes sagen darf als „Markt und Freiheit“. Und das auch noch als Abschluss des Artikels. Wie wir wissen ein alter Journalistentrick, um seine persönliche Meinung durch einen Protagonisten sagen und vor allem wirken zu lassen.

Jawoll. Der Markt.
Herrlich. Da haben doch die bürgerlichen Radiomacher ihren Klassenauftrag erfüllt, vielleicht sogar übererfüllt.
Hut ab!

Kramer kam zu spät in die Sitzung, Krüger bremste seine Rede als hätte er zu spät die rote Ampel bemerkt und schaute auf den Hereinkommenden. Alle Köpfe drehten sich zur Tür.
Kramer hielt inne, machte seinen Blick zurecht, also in etwa so: „leicht zu ernst“, um die Ernsthaftigkeit dezent zu betonen, ohne lächerlich zu wirken.
In der Tat wirken Redner aus dem Volke schnell lächerlich, wenn sie vor einem Publikum reden und ihre Wichtigkeit mit einem der Wichtigkeit überhaupt gar nicht angemessenen wichtigen Blick betonen wollen. Daran zeigt sich schnell der niedere Stand und macht klugen Zuhörern den weiteren Vortrag unerträglich.
Nun stand also Kramer etwas unfertig in der Tür, schloß diese mit leichter Hand und legte den Finger an den Mund.
Diese Geste, voll von gespieltem verschwörerischem Mitwissertum kann eine versammelte Gemeinde bestehend aus Opportunisten und Kollaborateuren, eben die typische Zusammensetzung von Marketingabteilungen mittelschwerer Unternehmen, diese Geste also konnte ihm in dieser Gesellschaft Aufmerksamkeit garantieren. Kramer war ein kluger Wicht!
Er setzte sich gar nicht erst.
Stattdessen ging er redend um den Tisch, zwang damit also die Sklaven, ihm nicht nur mit dem Ohr, sondern auch mit dem Blick zu folgen. Somit hatte er die volle Aufmerksamkeit, solange er seine Rolle nicht überreizte. Manch zu Aufmüpfigkeit neigender Geist im Auditorium hätte ihm die Gefolgschaft versagt, sobald er seinen Hals anzuspannen genötigt wäre oder vielleicht sogar die Sitzposition hätte ändern müssen.
Kramer ging also redend, fast plaudernd und sagte Sätze wie diesen: „Kollegen, es ist nicht in erster Linie wichtig, was ein Mann sagt, sondern vielmehr, wer es sagt.“
Wir wollen zu allem Überfluß erwähnen, daß Krüger immer noch stand. Seine Ehre folgte seiner Selbstachtung auf dem Wege in den Boden, er setzte sich geräuschlos, dachte aber schnell wieder an seinen Hund, den er an diesem Morgen nicht ausgeführt hatte, da er zu spät war.
„Denken wir daran“, sprach Kramer weiter, „wie viele schöne ‚Das-Leben-ist-wie-…soundso’-Sprüche es gibt. Und jetzt raten Sie mal, welchen wir beim letzten Research übereinstimmend von allen bekamen, die einen IQ jenseits unter 100 hatten, also in unserer Zielgruppe!“
Gemurmel im Raum. Niemand wollte etwas Falsches sagen, da heute der Präsident hospitierte. In einem militärisch organisierten Unternehmen ist es besser, dumm zu schweigen, als mit Fachwissen glänzen zu wollen. Fachwissen, laut geäußert, verrät den Feind eines jeden Karrieristen.
Kramer kannte die Spielregeln, deshalb überhaupt stellte er diese Aufgabe. Er wußte vorher, daß es an ihm war, die Aufgabe zu lösen: „Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen; man weiß nie, was man bekommt.“
Allgemeine Heiterkeit. Krüger überlegte, ob er überhaupt einen anderen Spruch zum Thema kannte.
„Und jetzt raten Sie bitte, welchem Autoren unsere Probanden diesen Spruch zuschrieben!“
Das gleiche Spiel wie vorher. Nur ein anderes Timing, jetzt mußte Kramer schneller sein.
„Tom Hanks! – Die Leute glauben tatsächlich, dies sei ein Spruch von Tom Hanks. Dieser Spruch, der phonetisch ein Verbrechen ist, dessen Metrum so wacklig ist, wie eine Frau nach 2 Flaschen Sekt; dieser Spruch, der so sehr vor Dummheit strotzt und ohne jeden philosophischen Anspruch auskommt, wird als witzig und klug angesehen!“
„Nun“, so schloß er und setzte sich dabei hin, was sowohl Kapitulation als auch Entschlossenheit zum Angriff bedeuten konnte.
„Nun, wir haben also Glück. Unser Publikum hatte offenbar noch nie ein kluges Buch in der Hand. Danken wir dem Bildungssystem. Das macht unsere Arbeit leichter.“
Darüber konnte irgendwie niemand lachen. Schon allein deshalb, weil alle Anwesenden darüber in Gedanken waren, was an dem Spruch von Tom Hanks nun so schlimm war.
Ja. So waren zu dieser Zeit selbst Marketingabteilungen mittelschwerer Unternehmen besetzt.

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