Ein Kuriosum der jüngeren Popmusikgeschichte ist mein Label „Kessel Records“ . Ich habe es 1992 gegründet einzig zur Pressung der LP „Saddle Up“ von First Arsch.

Saddle Up

Saddle Up

Damals in der Schweriner „Traube“ sprach Matti mich an, ob ich die Platte pressen lassen kann. Seinerzeit war ich Agent diverser Bands und Veranstalter diverser obskurer Veranstaltungen… z.B. „Danz up Platt“ oder „Die Elvis Presley-Ausstellung“. Lustige Zeit.
Nun waren aber schon die Filme für das LP-Cover fertig und damals ging das noch nicht so einfach wie heute mit ein paar Mausklicks zu ändern – und natürlich hatten es alle eilig…, so daß auf dem Cover das Lübecker Label „D.D.R.“ prangt, ohne daß dieses Label irgendetwas mit der Platte zu tun hat, außer eines: dort wurde eine Veröffentlichung der First-Arsch-Platte abgelehnt.
Irgendwann im Herbst 1992 fuhr ich also nach Diepholz zur Firma H. Lamping, brachte die Filme persönlich zur Produktion. Ein paar Tage später fuhr ich wieder dorthin und holte die frisch gepreßten Platten persönlich ab und brachte sie direkt in die „Traube“.

Ich übernahm dann auch quasi „ehrenamtlich“ die Promotion des Albums und bemusterte alle seinerzeitigen Hörfunksendungen, die für diese Art von Musik infrage kamen.

Titelliste der Sendung Zündfunk vom 7.4.1993

Titelliste der Sendung Zündfunk vom 7.4.1993

Im BR in der Sendung „Zündfunk“ wurde die Platte immerhin gespielt und zu „Rockradio B“ oder „fritz“ – jedenfalls in die schräge Sendung von Lutz Schramm „Parocktikum“ wurden wir sogar eingeladen und saßen dort als Studiogäste nachts in der Nalepastraße… sehr witzig.  Und selbstverständlich lief die Platte später auch im „Röhrenradio“ :).

Eine große Zukunft gab es für First Arsch irgendwie nicht, obwohl das Projekt immer noch auftritt, allerdings ist außer Steve Mielke keiner von den Leuten dabei, die an der Platte mitgearbeitet haben. Till, Paul und Scholle waren schon kurze Zeit später in Berlin Gründungsmitglieder von Rammstein.

Das Album erzielt hin und wieder recht gute Preise in Sammlerkreisen. Ein Gerücht sagt, daß in den USA um die 700 Dollar gezahlt worden sind… ich selbst habe 2011 ein vollständiges und unbeschädigtes Exemplar für 150 Euro versteigern können.

Ein Labelvertrag mit der Band ist nie gemacht worden, die Pressung war eine reine Dienstleistung meinerseits (noch als „Spielplan Konzert-Agentur“), so habe ich auch keine Einnahmen durch das Album verbucht. Da aber ein Label auf einer Schallplatte sein mußte, jemand ein Exemplar an die Deutsche Nationalbibliothek senden mußte und für die Medien als Ansprechpartner da sein mußte, habe ich „Kessel Records“ erfunden und selbstgetippte Aufkleber auf die Exemplare geklebt, die ich dann persönlich rausgeschickt habe.
Da also hin und wieder – logischerweise – die Unwahrheit über das tatsächlich zutreffende Plattenlabel geschrieben und berichtet wird, hier noch die Unterlagen, die zweifelsfrei belegen, wer die Plattenpressung beauftragt hat.

Rechnung für Mastering

Rechnung für Mastering

Rechnung des Preßwerks

Rechnung des Preßwerks

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