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da bin ich

Der Tag war gut.
Es hat geregnet, wurde spät hell und früh dunkel. Es war weniger hell als an einem Sonnentag. Vor allem ist an einem Regentag der helle Anteil weit geringer.
Der Tag war gut und ich überlege, woran dies wohl lag. Lag es am Tee ostfriesischer Mischung schlechter Rohstoffe mit mecklenburgischem Küsten-Honig und Zitronensaft aus alten Zitronen unbekannter Provenience?
Oder lag es am Leberwurstbrot aus fröhlicher Haltung und artgerechter Zubereitung?

Ein guter Tag entsteht in aller Regel nur, wenn er gut vorbereitet worden ist. Zum Beispiel durch einen guten Vorabend.
Ja. Der Vorabend war gut. Ich habe in den Fernseher geschaut und nichts gesehen. Oder so: Ich sah einen Film und hatte danach Denkbedarf. Also schaltete ich die unterhaltungsverlängernden Geräte ab und schaute. Immer in eine Richtung. Das hat Spaß gemacht.
Was habe ich an unnützem Programm alles nicht gesehen. Das war wirklich schön.

Und blieb nicht ohne Folgen, ich setzte die Verneinung heute morgen fort.
Nur ein Test-Blick auf Facebook, der Wutspeicher schwoll – und husch! Weg und raus und Schnauze da draußen!
Zurückgelehnt.
Musik komponiert.
Vorfreude auf einen Winter, der alles Böse zu Eis gefrieren – und im Frühjahr zu übel stinkendem Abwasser schmelzen lässt.
So klingt Hoffnung im dunklen Wald. Also jetzt.

Der November ist der Mai des Winters.

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Popstars singen Punk-Hymnen, Schlageropas feiern mit Rockstars Geburtstag – und ich sammle tschechische Blasmusikplatten von vor 1970.
Das einzige, was daran legitim ist, ist meine Vorliebe für Blasmusik, denn sie ist ehrlich. Ich hatte vor 30 Jahren den Traum, alle verfügbaren Gitarristen zusammenzutrommeln und den Rakoczy-Marsch als Metal-Stück zu vergolden. Geblieben ist die Idee. Leider findet man unter den seinerzeit Toleranz für die Hotten-Totten-Musik einfordernden jungen Leuten kaum welche mit Toleranz. Das ist geblieben oder noch nie anders gewesen.
So wie es eine Armee von Klassik-Liebhabern gibt, die den guten Johann Strauß einen Strolch schimpfen und seine Musik am liebsten ungetrennt auf den Müll werfen wollten. Wo er von Kindesbeinen an ja sowieso hingehörte. Nicht ahnend, dass die Strauß-Dynastie im Regierungsauftrag handelte und als erste staatstragende Rockstar-Familie in der Schrankwand der Geschichte steht. Der Walzerkönig Johann jedenfalls schuf große Melodien und schillernde Arrangements, in denen die hohe Schule der Komposition ein und aus geht. Denn geniale Hits sind nicht einfach, wie die Provinztänzer behaupten. Hits sind unheimlich komplex – nur sieht man das nicht auf den ersten Blick. Schon gar nicht auf den zweiten. Viele sehen das gar nicht. Nie. Da hilft es auch nicht, Musik zu studieren.
Balzac, mit dem ich gerne einen Topf Kaffee trinken würde, schrieb: „Je mittelmäßiger ein Mensch ist, um so schneller gelangt er ans Ziel.“
Was mich wirklich ärgert, ist die Tatsache, dass die Doofen immer gewinnen. Deshalb gibt es ja Märchen, damit man sich in eine Welt flüchten kann, in der das Gute siegt. Und deswegen erzählt man uns diese guten Geschichten und heißt sie Märchen – sie sind nicht wahr. Deutlicher geht’s kaum. Doch der Mensch glaubt daran, dass Märchen wahr werden können. Und das nur, weil ihm schon mal irgendeine abnorme Sexphantasie realisiert wurde oder er den Job als Abteilungsleiter bekam, obwohl sein Wissen dafür gar nicht gebaut war (dafür aber sein übler Charakter).
Das Wahrwerden egoistischen Unsinns halten viele für einen Wink des Schicksals und die Anwesenheit eines Gottes. Zu dumm. Stattdessen bestätigt die Personalpolitik in 9 von 10 Unternehmen oder Institutionen, die ich von innen kennenlernen durfte, dass die Guten höchstens die andere Wange hinhalten. Diejenigen, die nach oben kommen, sind eben genau diejenigen, die am liebsten nach unten treten. Ist doch natürlich.
Deshalb ist der Kapitalismus auch nicht die beste Gesellschaftsordnung, sondern nur die am besten funktionierende, weil sie vom normalen Betrug lebt und den Egoismus zur Grundlage allen Handelns bestimmt. Der Kapitalismus ist asozial angelegt und fördert ausschließlich das Asoziale. Wer sich also wundert, dass alles immer dööfer wird, der hat nicht nach-, vor- oder überhaupt gedacht. Die meisten Menschen haben zwei Meinungen und deshalb wird auch geheim gewählt und deshalb gewinnen auch immer die Doofen. Das Kreuz macht man ganz allein und man ist niemandem Rechenschaft schuldig.
Dostojewski und Nietzsche sind Denker alter Zeit. Sie richteten sich gegen das Neue, das Verständige, das Schöne im aufkommenden Humanismus. Sie leugnen den Sozialismus, weil er neu ist. Damals. Und sie konnten ihn nicht verstehen, weil er ein neues Denken erfordert. Erst wer sich aus dem – nicht mehr notwendigen – Lebenskampf löst und in der Gemeinschaft die Stärke erkennt, wer das Verzeihende und Mitfühlende nicht als Schwäche versteht, der ist bereit für eine neue Zeit. Doch dieser – noch theoretische – Sozialismus muss sich schützen, solange unter uns noch die alten Denker weilen. Solang auch nur einer für den persönlichen Vorteil zu töten, zu kämpfen bereit ist, solange ist die humanistische Gemeinschaft in Gefahr; solange muss sie sich verteidigen mit den Mitteln der alten Ordnung.
Auch das ist natürlich. Es ist ebenso natürlich, dass eine echte Gemeinschaft der Menschen nur mit starren Regeln funktioniert, auch mit Beschränkung der persönlichen Freiheit. Kulturpflanzen überleben in der Natur auch nur dann, wenn sie gehegt und gepflegt werden. Man muss schon ein paar wilde Natürlichkeiten um die Ecke bringen, wenn man Salat ernten möchte. Es sind doch dieselben, die im Vierzehntagesrhythmus ihren Rasen mähen und am Rednerpult von Freiheit singen. Ja es sind dieselben, die einerseits die natürliche Ordnung im freiheitlichen Kapitalismus sehen und andererseits ihr Geld mit Betrug und Unfreiheit verdienen.
Deshalb funktioniert auch der Sozialismus nicht: Weil er von Menschen gemacht wird. Wer das nicht glaubt, der geht einfach mal auf einen deutschen Flughafen und beobachtet, was passiert, wenn zum Boarding gerufen wird. Menschen verhalten sich auch im 21. Jahrhundert wie Fliegen, die ein Stück Scheiße sehen.
Oh. Hunger.

Am Tiefpunkt: Über planloses Dagegensein

Dieser FAZ-Artikel skizziert sehr schön die aktuelle Verwirrtheit vieler Intellektueller, die glauben, auf der „richtigen Seite“ zu stehen. Stehen sie aber nicht. Man könnte es auch „planloses Dafürsein“ nennen.
Das Politik-Problem der letzten 20 Jahre ist ganz simpel: Die regierenden Parteien haben die echten Probleme nicht mehr benannt, sondern einfach umbenannt. Aus rechtsradikalen Straftaten sind einfach Straftaten geworden. Arbeitslose wurden in alles mögliche verwandelt, nur damit sie nicht mehr „arbeitslos“ heißen müssen, obwohl sie arbeitslos sind. Aus Ausländerkriminalität ist Taschendiebstahl geworden. Menschen mit deutschem Pass, die aber gegen unser System sind, Erdogan zujubeln und unsere Werte ablehnen, fahren in Berlin oder Köln mit ihren Penisverlängerungen Ungläubige über den Haufen. In der Polizeimeldung sind es deutsche Täter. In Wahrheit sind das aber Erkan und Firad, die ihre Schwester umbringen würden, wenn sie einen Deutschen küsst.

Diese Schieflage wird von den Menschen mehr und mehr wahrgenommen, denn mit Kriminalität ist es wie mit Unkraut: es vermehrt sich immer schneller, wenn man nicht ausreichend dagegen unternimmt. Und die regierenden Pappnasen reagieren auf den Unmut der Menschen mit Beschimpfungen und Naserümpfen, statt das Übel an der Wurzel zu packen.

Viele Intellektuelle outen sich in diesen Tagen als Hohlköpfe, indem sie von der Opposition (Lösungs-)Parolen wünschen, so wie sie es jahrelang von SPD und CDU gewohnt sind. Hauptsache ein kluger Spruch, die Umsetzung findet nicht statt.
Die Wahrheit ist aber, dass in einer Demokratie die Lösung erst im Parlament erstritten wird. Hierzu benötigt man Fachleute und Demokraten, die in einem Parlament streiten. Das gab es mal in Deutschland. Daran kann sich nur kaum jemand erinnern. Alle unter 40 haben sowas noch nie erlebt!

Heutzutage ausgerechnet die etablierten Parteien als Antipoden, also als demokratisch oder seriös dastehen zu lassen, das nenne ich gefährlich. Denn es sind SPD und Grüne und CDU und FDP und und und, die für den Hartz4-Betrug, für deutsche Soldaten am Hindukusch, für die „fehlerhafte“ Arbeitslosen- und Kriminalstatistik, für Altersarmut, für Leiharbeit, und eben auch für die Griechenlandpleite, für Sklavenarbeit in Südostasien und Afrika… usw. mitVERANTWORTLICH sind.
Von Frau von Storch erwarte ich allerdings nicht mal sinnvolle Lösungsvorschläge. Wer diese Nazienkel-Partei wählt, der verschenkt seine Stimme an eine rückwärtsgewandte Programmatik, die das alte Deutschland herbeijammert. Und das alte Deutschland war imperialistisch, ausgrenzend, ungerecht und kriegerisch.
Niemals gelingt es, die Vergangenheit wiederherzustellen. Und „Zukunft gestalten“ bleibt eine Phrase, denn damit wird das Handeln lediglich angekündigt und in eine ferne Zukunft verlagert.
Die Gegenwart aber ist es, an der wir bauen müssen. Wir brauchen Vordenker und Anpacker, Menschen und Parteien, die den Mut haben, Dinge zu tun, die von der regierenden Minderheit verpönt sind, den utopistischen Multikulti-Öko-Intellektuellen, der Parallelgesellschaft der Politclowns und ihrer Medien-Claqueure.
Wir brauchen vor allem mutige Wähler, die sich am 4. September aufraffen, um die neuen Parteien zu wählen, die Parteien, die neue, vernünftige Lösungsideen anbieten statt Parolen; wir brauchen also mutige Wähler, die mutig wählen!

Zunächst müssen wir das Grundgesetz wieder zur Grundlage des Handelns machen. Z.B. ist der Staat in der Pflicht, das Eigentum seiner Bürger zu schützen. Tut er aber nicht. Es wäre so einfach, ganz einfach: Sofortige Wiedereinführung der Grenzsicherung – und schon wäre der Großteil der organisierten Eigentumskriminalität „abgeschafft“. Und statt Glühbirnen zu verbieten oder die Färbung von Obst vorzuschreiben, könnte man in Brüssel dafür sorgen, dass vorbestrafte Kriminelle in jedem EU-Land als vorbestraft gelten. Ja. Das sind einfache Lösungen. Manchmal ist es eben einfach!
Erstmal Grenze zu – und sofort die Köpfe zusammenstecken, um eine dauerhafte Lösung zu finden.

Statt internationalen Konsortien Tür und Tor für Ausbeutung und Steuerhinterziehung zu öffnen, muss die Wirtschaftspolitik sofort wieder für den Mittelstand da sein. Es sind die vielen kleinen und mittleren Unternehmen, die Millionen Deutschen Arbeit und Wohlstand bringen. Stattdessen werden Milliarden an Steuerkohle in die reichsten globalisierten Konzerne gesteckt. Der größte Skandal in Mecklenburg-Vorpommern ist noch nicht lange her: 50 Millionen Euro, versenkt in den Taschen eines schwerreichen Chemiekonzerns, für die Schaffung einiger Arbeitsplätze für unterbezahlte Leiharbeiter, für die Produktion umweltschädlicher und überteuerter Luxusartikel… 50 Millionen Steuergeld! Während das Staatstheater kaputtgespart wird.

Es muss die Wahrheit über die Massenarbeitslosigkeit in Mecklenburg-Vorpommern endlich an die Öffentlichkeit. In der Zeitung steht, man zähle aktuell 75.800 Arbeitslose. Die Wahrheit: Wir haben ca. 200.000 Arbeitslose und Aufstocker im Land! Das wird Monat für Monat sogar veröffentlicht. Aber unsere Journalisten vermelden die falsche Zahl. Das ist nahe am Staatsjournalismus. Was sonst? Aus Versehen geschieht das Veröffentlichen der Regierungs-Erfolgsmeldungen mit falschen Zahlen jedenfalls nicht. Es würde jedenfalls nicht sehr geil klingen, wenn man öffentlich eingestehen müsste, dass fast 30% der arbeitsfähigen Bevölkerung im Nordosten von Leistungen nach SGB II und SGB III leben müssen.
Eben. Es klingt doof. Aber nur wenn wir die Probleme benennen, können wir sie auch lösen. Deshalb den Problembenennern Rechtspopulismus oder „planloses Dagegensein“ vorzuwerfen, erinnert mich sehr unangenehm an die Verunglimpfung Oppositioneller in der DDR. Damals hießen die Menschen, die die wahren Probleme laut ausgesprochen haben „feindlich negative Kräfte“ oder einfach „feindliche Agenten“. Heute heißen sie „Rechtspopulisten“.

Aber diese Schublade passt eben nicht für diejenigen, die dieses Land wirklich verändern wollen, die endlich wieder Politik für die Menschen machen wollen.
Denn in einer Demokratie ist es das Volk, das sagt, wo es langgeht; auch wenn es der Regierung nicht passt. Und wenn die Mehrheit des Volkes nicht damit einverstanden ist, dass wir unsere Grenzen für alles und jeden öffnen, dass einmal gefasste Straftäter einfach so wieder auf die Gesellschaft losgelassen werden, dass Banken das Bargeld abschaffen wollen… dann ist es Regierungsauftrag, diese Missstände unverzüglich zu beseitigen.
Es ist Zeit für Menschen in der Politik mit echten Lebensläufen, also mit im Arbeitsleben erworbenen Kompetenzen.
Planloses Dagegensein überlassen wir den anderen.
Schlimmer noch ist das planlose Dafürsein, denn das unterstützt die nachweislich fehlerhafte und menschenfeindliche Politik der etablierten Parteien, die Deutschland kaputt reformiert haben.

Und es muss Schluss sein mit dem idealistischen Dummgeschwätz intellektueller Hohlköpfe, die einem Multikulti-Gender-Unsinn*innen huldigen und dabei die Augen vor der Realität verschließen.
Unter Intellektuellen ist vieles möglich, jederzeit: Da kann der Moslem neben dem Christ neben dem Buddhist neben dem Juden friedlich leben. Nur leider funktioniert das „auf der Straße“ eben nicht. Spätestens seit in Deutschland Moslems auf der Straße „Juden ins Gas“ skandieren dürfen und dafür nicht belangt werden, gibt es keine Religionsfreiheit mehr. Es gibt sogar wieder „No-Go-Areas“ für Juden, ausgerechnet dort, wo überwiegend Moslems leben. Ist es fremdenfeindlich, diese Korrelation zu benennen? Nein. Es ist für die Erhaltung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung sogar NOTWENDIG, die Feinde unserer Werte zu benennen, sie zu stellen und zu sanktionieren. Wer in Deutschland Juden angreift, der gehört nicht zu Deutschland!
Leider sind es tatsächlich oft Fremdenfeinde, die mit diesen Themen auf Stimmenfang gehen.
Deshalb müssen wir sofort damit beginnen: Wir dürfen die richtigen Argumente nicht weiterhin den falschen Leuten überlassen!

Es gab mal die Idee eines modernen, weltoffenen, friedlichen Deutschlands. Dieses Deutschland ist in Gefahr!
Denn es wird bedroht von den etablierten Parteien und es wird bedroht von den rechten Rattenfängern.

Wir haben ein ordentliches Grundgesetz. Das muss sofort wieder vollumfänglich umgesetzt werden.
Wir haben einen starken Mittelstand. Der muss gegen die Übermacht der menschenfeindlichen, internationalen Finanzkonsortien in Stellung gebracht werden.
Wir haben eine bunte Gesellschaft. Diese muss den Feinden der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit die Tür weisen. Sofort.

Es gibt viel zu tun!

Ts! Da denke ich monatelang darüber nach, wie ich mein neues Bandprojekt gestalten werde und dann passiert das: Ich höre unsere Einriss-Kassette von 1989 und denke: Das war gut! Mehr muss man nicht tun, mal abgesehen von etwas mehr Handwerk und etwas mehr Arrangement und so. Also ein bißchen dran feilen und dann kann das wieder auf die Bühne. Aus heutiger Sicht war das offenbar die geilste Einriss-Besetzung: Volker Voigt am Schlagzeug, Thomas Baeter an der Gitarre, ich am Bass. Die Titel gehen seltsam gut ab, die Klampfe quietscht überraschend, der Bass rollt und knackt und das Schlagzeug zappelt lustig. Wenn Bass und Schlagzeug sich finden, dann marschiert das Zeug dermaßen nach vorn, dass man sich wundert, dass wir nicht reich geworden sind damit. Naja, stimmt, es war ja vorgesehen… wir hatten ja bereits Radioproduktionen, einen Fördervertrag, ausverkaufte Konzerte… und dann kam der Krieg… selbst nach der Wende haben wir die Säle gefüllt, nur leider waren wir zu selten unterwegs… Aber jetzt!
Und so ein alter Sternrecorder macht jünger!

„Wir werden unsere Ideale zugunsten einer Ideologie nicht verraten“ Hier nachlesen.

Klingt nach Tocotronic oder Rosenstolz. Intellektuelles Geschwurbel, direkt aus der von Mutti und Vati finanzierten WG-Küche. Eine latent unglückliche Generation sucht nach Gründen, sich nicht bewegen zu müssen. Es könnte ja noch schlimmer kommen! Sinnbefreite Merksätze, in denen Zusammenhänge konstruiert werden, die mit etwas Schulbildung, Geschichtsinteresse und Mitgefühl für Anderslebende schnell als Parolen für Nichtdenker entlarvt werden. Wenn man wollte. Aber wenn man gelernt hätte, in Zusammenhängen zu denken und Konsequenzen fürs eigene Leben zu ziehen, dann müsste man ja auch das eigene Dasein einkürzen.
Und schnell würde klar, dass die Ideale nicht Freiheit, Gleichheit oder Brüderlichkeit heißen, sondern Apple, Ikea und Adidas. Sone Scheiße. Nein diese Ideale werden sie nicht verraten zugunsten einer Ideologie! Einer Ideologie, die am Ende dazu führen könnte, dass es der Mehrheit der Bevölkerung gut geht. Ts! Sollen die doch selber, … ähm, kämpfen!

Die Tür krachte in die Zarge. Es war ein Schlag in die Magenkuhle des neuen Sicherheitsschlosses und die Nachbarn zitterten kurz in ihrer Pupscouch, als hätte jemand auf sie geschossen.
Obergenervt lief Gustav in Richtung Kneipe. Oder besser: Er ging sehr eilig. Für den freundlichen Straßenmusikanten sah es aus, als müsste der Eilige dringend auf die Toilette. Obwohl der Straßenmusikant ziemlich wenig Kenntnisse – vor allem keine musikalischen – hatte, so dass es dem Beobachter dieser Szene schwer vorstellbar war, diesem Mann die Bewertung des Zweckes eines Ganges zuzutrauen. Wer eine Stunde lang lediglich drei Töne auf einem Akkordeon mit 90 Basstasten spielte, der musste ganz klar Defizite in Bereichen haben, die einen normalen Menschen vom Wilden unterscheiden.
„Wer jahrelangs ins Klo greift, der riecht irgendwann nach Scheiße!“ – Gustav wackelte ins Lokal; zu dessen Tür war er freundlich. Der Wirt sagte „Tach“ und der, der immer da war, aber dessen Namen sich Gustav nicht merken wollte, sagte nichts. Erstmal. Spätestens wenn Gustav das Bier vor der Nase hätte, würde der ohne Namen anfangen, Belanglosigkeiten als Nachrichten zu verkaufen und Sätze zu sagen, wie: „Aber man muss ja froh sein, wenn man Arbeit hat.“
Gustav wusste, dass der Stammgast keine Arbeit hatte und gern ins Jobcenter ging. Dort konnte man sich von reifen Frauen beschimpfen und betrügen lassen und am Ende bekam man noch Geld dafür!
Der Namenlose hatte allerdings seine Meinung soeben geändert. Er erklärte feierlich, beim nächsten Jobcenterbesuch ausrasten zu wollen und suchte nun Unterstützer und Mitstreiter.
„So wie 89 in Prag! Man muss es denen mal zeigen!“.
Gustav hatte Fernsehen geschaut. Deshalb wusste er, dass ein Flugzeug abgeschossen worden war, ohne dass es die Ermittler schon wussten. Die hatten sich auch gewundert, dass das Westfernsehen Bescheid wusste. Irgendwer muss es denen ja gesagt haben, dass der Russe schuld hat.
„Wir sollten endlich zurückschießen! Meinetwegen auch 5 Uhr 45! Und mit ein bisschen Glück marschieren wir bis nach Stalingrad und dann kriegen wir so einen auf die Mütze, dass der Russe uns wieder überrollt und uns ein zweites Mal befreit!“
Gustav war schon mal im Krieg. In welchem, das wusste er nicht mehr, denn die haben ihn an der Birne erwischt, sah nicht gut aus, aber er hats geschafft. Mit nur einem halbeingeschalteten Gehirn. Das reichte jedenfalls, um Fernsehen zu gucken und in die Kneipe zu gehen.
„Die ist doch nicht ganz knusper, die Alte!“, rief der Wirt. Der hatte mit einem anderen Gast, der von der Tür aus nicht zu sehen war, gesprochen.
Das war nun genug Aggressivität für diesen Tag und Gustav ging, ohne zu zahlen. Er hatte ja auch noch kein Bier bekommen.
Aber für einen Krieg war es irgendwie nicht die richtige Zeit und eine Besetzung des Jobcenters war ihm nicht geheuer. Da käme mit Sicherheit kein Genscher, um alle zu befreien. Damals war sowieso alles anders. Ganze Eisenbahnzüge voller Menschen wollten dorthin, wo die Sonne immer die Lust an ihrem Job verlor und kündigte. Täglich.
Und alles für eine Stange Marlboro. So machte Gustav sich seine Gedanken, während er dem Musikmann einen Cent in den Hut warf und „Hau ab!“ rief.

Wenige magische Momente sind so wortlos und mit Worten kaum beschreibbar wie ein kühler Märzmorgen, der die Sonne ahnen lässt und doch mit brennender Birke im Kamin befeuert werden muss. Dazu ein kräftiger Assam – und die Aussicht auf einen orangefarbenen Tag ist gleich dem Blick in den Schlund des schönsten Todes, der ja das Ende des Jammers bedeuten soll und somit eine Erscheinung der Freude darstellt. Am Lebensbaum zittern die Blätter vor Freude und Schaudern zugleich. Solch ein Tag ist ein großer Atemzug gleich einer verlorenen Liebe, in der man sich gefällt. Ein Tag in H-Dur mit 5 Kreuzen und einem monotonen Schlagwerk, das eher rauscht denn klappert.
So geht es in den Tag, kraftvoll, langsam.
Und nur allein ist es zu schaffen, sich den Berg hinabzuarbeiten ohne einen falschen Schritt ins Verderben.

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