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Glück erkennen wir immer erst, wenn es geht. Der Mensch ist viel zu sehr Egoist, um während der glücklichen Phase sich selbst zu reflektieren und zu erkennen. Denn das bedeutete, kurz vom Glück zu lassen. Erst wenn es vergeht, fällt es auf; und auch das ist nur ein egoistischer Impuls, es ist nur Selbstmitleid.
Glück zu pflegen hieße, immer am Limit zu leben, immer volle Kraft zu geben, denn Glück entsteht nur im Vollkommenen.
Volle Kraft, ohne sich abzurackern, das führt zu Glück. Nur wenige können das naturgemäß, aber Sänger lernen das. Ich glaube, deshalb sind gute Sänger auch oft glücklich.

Ich denke, das wird ein Lied.

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Neineinein.
Weder Blockade noch Depri noch Unlust sind für mein aktuelles Nichtschreiben auf diesen Seiten verantwortlich.
Ehrlich gesagt ist es schwierig Gründe dafür auszumachen. Die werden allerdings damit zu tun haben, dass ich momentan beruflich eine Menge schreibe und mit Film- und Bandprojekten gut beschäftigt bin. Hinzu kommt, der Drang, wie ich ihn 1999 spürte, als ich zu einem der ersten Blogger der Welt wurde, ohne dass es das Wort Blogger gab…, also der Drang, meine Meinung internetlich in die Welt zu rufen, ist deutlich geschwunden. Nicht, dass die Welt es nicht wissen sollte. Eher, dass die Welt die Dinge mit Vorliebe falsch versteht.

Falls mir grandiose Sachen in den nächsten Wochen einfallen, werde ich sie also nicht hier an die digitale Wandzeitung kleben, sondern in einen Liedtext verwandeln, der schon bald, ich verspreche es (noch in diesem Jahr), mit einer schönen Melodei verstrickt das Licht der Welt erschrickt.
Feuer frei!

Der Sommer ist hereingebrochen, dicke grüne Blätter wackeln an den Bäumen vor meinem Fenster, der Tabak sprießt und provoziert einen Einsatz mit der Heckenschere.
Alle Welt muss spazieren gehen, so dass es auf meinem Wanderweg derzeit so voll ist, wie sonst nur am U-Bahnhof Alexanderplatz. Deshalb gehen die alle auch dahin. Wenn keiner da ist, geht auch keiner hin. Ist ja sonst keiner da. So funktioniert die Welt. Und dann kann man hinterher sagen, dass es schön war beim Wandern, denn die anderen fanden es auch schön. Und wenn andere das schön finden, dann darf man das selbst schön finden. Aber nur dann! Wenn man es – wie ich – schön findet, wenn niemand sonst da ist, dann wird man schräg angeschaut. Wie kann man nur!
Ich glaube, so funktioniert Privatfernsehen.

Jetzt hatte ich Hunger und dachte über die vielen Möglichkeiten nach, die meine Küche und meine Kochkunst bieten. Gebackene Aubergine? Mit Rinderhack gefüllte Aubergine? Avocadocreme mit Chips? Schafskäse mit Tomaten, gebacken? Thüringer Rostbrätl? Nudeln mit …, ja mit was? Vielleicht Carbonara oder Bolognese oder Napoli?

An diesem schönen Sonntag, will ich dich nicht lange auf die Folter spannen: Es wurde eine gutbürgerliche Boulette in Weißbrot mit karamellisierten Zwiebeln und dem ganzen Gedöns, das man zusammengeklatscht heute Burger nennt. Auch wenns schwerfällt, ja, heute fällt auch das schon unter gutbürgerliche Küche.

Ich bin also ein Gutbürger.
Hossa.

Das gehörte zu seinen Lieblingswörtern. Und es war vielleicht das Wort, das von 200% der Deutschen nicht verstanden wurde. Man konnte es ja auch kaum richtig lesen, meinte er jedenfalls. Alfred Bernaise. Also „Lieblingswort“ war vielleicht das falsche Wort. Vielmehr war es das Wort, das ihn immer wieder beschäftigte. Immer wieder sah er im Duden nach, mit welcher Bedeutung dieses Wort auf der Welt herumlief. Ja, es bedeutete nichts anderes als dass der Stoff, der mit diesem Wort attributiert worden war, von lästigem Eisen befreit worden ist. Also nicht enteist. Er war auch nicht eisenentfernend. Nein. Er wurde von Eisen befreit. Von Eisen befreit sind Strom und Bäche. Der Kalauer war zwingend an dieser Stelle.
Die Frage, mit der Alfred Bernaise an diesem Tauwettertage zum Briefkasten schlenderte, war zunächst angeregt als eine Frage um den Themenkomplex des Enteisungsprozesses der alten Milch, die er vor einer Woche für die Katze rausgestellt hatte und die zu leckerem Milcheis erstarrt war, was die Katze aber nicht mochte. Es war für Alfred eine höchst unwichtige und doch bedeutende Feststellung, dass die Katze kein Milcheis mochte. Denn erstens kam es selten vor, dass etwas Milcheis dem menschlichen Verzehr in diesem Hause entkam und somit für die Speisung von Flora und Fauna zur Debatte stand. Und zweitens stellte Herr Bernaise nur äußerst selten etwas Milch vor die Tür zu einer Zeit, in der es möglicherweise frieren konnte.
Nun taute es. Und aus der Milch war ein wässriges Gemisch geworden, das nun einem Rest-Omelett weichen durfte. Da im Hause Bernaise nur mit Natur gebraten, gebacken und gesotten wurde, konnte dieses Rührei der Katze ein Schmaus sein. Immerhin aßen Katzen Vögel. Dann würden sie ja wohl auch Eier essen. Aber gebratene Eier? Mit Speck?
Wie so oft an eisigen und langsam enteisigenden Tagen saß die Katze. Also, richtig musste es heißen: der Katze, denn sie war ein Er und hieß Wassil Wassilitsch, ganz genau wie der Hund aus dem Film aus den Gorki-Studios…, also der Wassil saß an der Küchentür und lauschte. Was genau er erlauschte, war nicht erkennbar. Aber vielleicht ging es um die Wärme, die aus den mikroskopisch kleinen Spalten zwischen Tür und Rahmen auf die Reise ins Kühle ging. Auf dem Weg zur Entwärmung stellte – also setzte – sich nun der Katze in den selbigen (Weg) und lauschte. Alfred Bernaise öffnete die Tür, um den Katze hereinzubitten, doch der lief lieber auf Abstand. Schön, dachte Alfred, soviel Respekt von einem Tier! Alfred kannte ein oder zwei Menschen, die sich auf sehr unschöne Art impertinent gerierten und freute sich seit der Kenntnis dieser Personen immer wie ein Keks, wenn sein Gegenüber Respekt zollte. Das war die Mehrheit und deshalb dafür verantwortlich, dass Herr Bernaise sich so oft freute. Bernaise war sich sicher, dass jeder, der Impertinenz kennenlernen gemusst hatte, ab diesem Moment das Gegenteil dieser Unart immer applaudieren würde.
Wenn nun, – so dachte Alfred auf dem Weg zum Briefkasten, wenn ich nun diesen üblen Mitmenschen Respekt beibringen sollte, wären diese Menschen dann entimpertinentt?
Im Briefkasten fand sich nur die Tageszeitung. Und es taute. Der Katze aß das Omelett nicht auf, genau wie Alfred, und im Radio lief ein Othello, der nicht schwarz angemalt werden durfte. Alfred fragte sich, ob Nietzsche das mit seiner „Umwertung aller Werte“ gemeint hatte.
Aber Alfred Bernaise fand, dass das im Radio egal war. Das konnte auch 100 Jahre nach seiner Erfindung immer noch nichts anderes als Töne abspielen. Das Telefon hatte sich da ganz anders entwickelt! Bernaise bedankte sich immer wieder bei Gott dafür, dass das Telefon zu seiner Zeit fast alles konnte außer kochen und laufen. Auch wenn das Internet daran Schuld trug. Es trug ja auch Schuld daran, dass – wie Alfred sich auszudrücken pflegte – die ganz Doofen plötzlich eine Stimme hatten. Jahrhundertelang wurden nur die Gedanken der Klügsten transportiert und multipliziert, doch seit diesem Internet war die Welt eine andere. Deshalb machte Alfred da auch nicht mehr mit.
Vielleicht hätte man dort mal enteisent tätig werden sollen. Dann wäre erstmal Ruhe gewesen. Jawoll.
Der Katze war nun weg. Etwas Ei war noch da. Also kam der Meise und nahm einen Bissen. Und auf dem Herd brutzelte der Erbseneintopf. Der roch herrlich. Das interessierte Wassil Wassilitsch aber nicht. Nur Alfred freute sich und er fragte sich, wie wohl die meisten Flaschenwasser aussehen würden, wären sie nicht enteisent geworden.
Wohl übel. Deshalb trank er auch kein enteisentes Wasser.

Der Tag war gut.
Es hat geregnet, wurde spät hell und früh dunkel. Es war weniger hell als an einem Sonnentag. Vor allem ist an einem Regentag der helle Anteil weit geringer.
Der Tag war gut und ich überlege, woran dies wohl lag. Lag es am Tee ostfriesischer Mischung schlechter Rohstoffe mit mecklenburgischem Küsten-Honig und Zitronensaft aus alten Zitronen unbekannter Provenience?
Oder lag es am Leberwurstbrot aus fröhlicher Haltung und artgerechter Zubereitung?

Ein guter Tag entsteht in aller Regel nur, wenn er gut vorbereitet worden ist. Zum Beispiel durch einen guten Vorabend.
Ja. Der Vorabend war gut. Ich habe in den Fernseher geschaut und nichts gesehen. Oder so: Ich sah einen Film und hatte danach Denkbedarf. Also schaltete ich die unterhaltungsverlängernden Geräte ab und schaute. Immer in eine Richtung. Das hat Spaß gemacht.
Was habe ich an unnützem Programm alles nicht gesehen. Das war wirklich schön.

Und blieb nicht ohne Folgen, ich setzte die Verneinung heute morgen fort.
Nur ein Test-Blick auf Facebook, der Wutspeicher schwoll – und husch! Weg und raus und Schnauze da draußen!
Zurückgelehnt.
Musik komponiert.
Vorfreude auf einen Winter, der alles Böse zu Eis gefrieren – und im Frühjahr zu übel stinkendem Abwasser schmelzen lässt.
So klingt Hoffnung im dunklen Wald. Also jetzt.

Der November ist der Mai des Winters.

Nein, ich äußere mich nicht zur USA-Wahl.
Barak Obama hat gewonnen und alle Guten haben vor Freude geweint. Vor 8 Jahren. Weil jetzt die Welt eine bessere sein würde. Weil das nämlich der US-Präsident entscheidet. Und ein Schwarzer könne ja nur Gutes bringen.
Als ich in den damals üblichen Internet-Foren vor Euphorie warnte und Obama als einen weiteren Büttel des Kapitals im Schafspelz kommen sah, warf man mir Böses entgegen. So viel, dass ich kurz zweifelte und schnell beschloss, meine Klappe zu halten. Die Guten können mit Offenheit und Logik nicht so. Und sie waren sich alle einig. Das macht stark, so in der Gruppe, wie bei Nazis zuhause.
Ich bringe jetzt nicht den zwingenden Kalauer vom Wolf, der am Ende doch nur ein schwarzes Schaf war. Mit nicht erklärten Kriegen, Foltergefängnissen und Chemieindustrie.
Und ich schreibe jetzt nichts über die heute Trauernden, die es also bedauern, dass eine Kriegstreiberin, die den Feldzug gegen Russland offen befürwortet, nicht die Führung der Welt übernehmen darf.
Es hat offenbar eine Menge großdeutsches Gedankengut überwintert; da geistert „der Iwan“ noch durch die Kaffeestuben, ist der „mongolische Untermensch“ genau so nachhaltig verschwunden, wie „der Neger“.

Und erst recht schreibe ich nichts über den Gewinner. Und schon gar nichts über das „demokratische“ Wahlsystem in den USA.
Ich schreibe nichts über die fröhliche Unterhaltungsschau, die gespielt wird, während die NATO ihre Söldner an der russischen Grenze in Stellung bringt.

Ich würde gerne über den USA-Wahlgewinner meckern. Aber ich kenne den gar nicht.
Also nur von Beschreibungen aus den Medien.
Ja. Also: Gar nicht.

Ich habe nochmal gelesen, was ich bis hierher geschrieben habe und da steht „die Führung der Welt“! Ich meinte damit die USA-Regierung. Da musste ich selbst lachen. Reingefallen. Also ich.

So viele Fehler in einem Satz: „Statt auf Verbote und Reglementierung setzt die Ökonomin auf den Markt: Wenn mehr ökologische und nachhaltige Produkte gefragt würden, würden auch mehr angeboten.“
Hier zum Artikel.

Die Ökonomin hat leider vergessen, dass „Der Markt“ überhaupt nur mit Reglementierung funktioniert. Heißt nur anders: Marketing. Wenn eine US-amerikanische Schlagersängerin bei MTV mit einem viel zu kurzen Hemd rumhüpft und die zwischendurch auftretenden Clowns das auch noch als cool anpreisen, dann laufen weltweit, also in der USA-dominierten Welt, die verhaltensgestörten Mädels zum Klamottenjuden und kaufen das viel zu kurze Hemd für viel zu viel Geld. Wenn deutschtümelnde Sportler im Fernsehen zu sehen sind, wie sie sich braunen Fensterkitt auf die Stulle schmieren und das für ein gelungenes Frühstück halten, dann will der mittelmäßig begabte deutsche Jugendliche das auch haben. Scheint ja schlank und sportlich zu machen. Und Weltmeister.
So funktioniert der Markt.

Das aber weiß die Frau Ökonomin selbst, nur leider darf sie das vor einem Mikrofon nicht laut sagen, da sie im Land der Meinungsfreiheit dann sehr schnell ihren Job verlieren würde. Besser gesagt, ihr Job besteht geradezu daraus, dass sie das sagt, was ihr „Institut“ gesagt haben möchte. Und das sollte möglichst auch die Meinung der Sprechknechte sein. Für logische und richtige Schlüsse steht das Institut im falschen Land, nämlich in dem Land, in dem der Kapitalismus für eine gottgegebene und natürliche Gesellschaftsform gehalten wird. Zumindest wird das flächendeckend so gelehrt; meist von Leuten, die das auch glauben. Obwohl sie studiert haben.
Sie lachen über unsere Vorfahren, weil die so voll behämmert an Gott geglaubt haben, aber sie glauben an die Lehre vom Markt und wahrscheinlich auch an die Freiheit des Individuums und ähnlichen Nonsens.
Die Frau Ökonomin weiß mit Sicherheit, dass es für „unsere“ deutsche Industrie das größte Problem wäre, wenn die Mehrheit der Bevölkerung gebildet wäre und die Industrie durch ihr Konsumverhalten zwingen würde, endlich wieder natürliche Nahrungsmittel zu verkaufen. Wo man doch jahrzehntelang daran geforscht hat, wie man diese scheiß Natur aus den Lebensmitteln herausprügelt. Als das geschafft war, hat man die Menschen denaturiert.
BASF und Nestlé und Degussa usw. leben ausschließlich davon, dass das Volk Plastepizza und Schimmelpilzbrause mit Ammoniumsulfitzuckerkulör für Essen und Trinken hält.
Und das soll auch so bleiben. Zumindest wenn es nach dem Institut für deutsche Wirtschaft geht.
Da brauchen die sich aber keine Gedanken zu machen. Es sind nur ein paar verlassene Prozent der Bevölkerung, die sich hin und wieder mit Denken beschäftigen und damit der Wirtschafts-Politik ein paar Sorgenfalten auf die Stirn malen. Denn die hätte gern 100% Idioten.
Daran arbeiten sie.
Mit Erfolg, solange studierte Menschen mit ein paar Euro monatlich gekauft werden können, um in den Reihen der Weltverschlechterer zu kämpfen.
Damals, 1936 haben Millionen Deutsche auch gesagt, wie aus einem Mund: „Ich kann doch nichts dafür. Was soll ich machen? Ich habe ein Familie zu ernähren.“
So funktioniert der Markt.

Ökologische Produkte! Ts! Wenn man bei REWE nicht entdeckt hätte, dass man Bioprodukte sehr günstig von Negersklaven in Ghana ernten lassen kann, dann gäbe es bei REWE kein Bio.
Und Millionen Menschen rennen in deutsche Supermärkte, reißen sich um Pflanzenkost aus Ägypten und halten sich für bessere Menschen, weil sie sich weigern, ein deutsches Rind zu essen. Dasselbe Rind, das deutlich bessere Lebensbedingungen genießt, als der Bio-Textilarbeiter in Bangladesh.

Halb so wild.
So funktioniert der Markt.
Wirklich wild ist, dass die Journalisten es unterlassen haben, diesen gefährlichen Unfug zu hinterfragen. Dass sie überhaupt eine Industriehu -dame, zu Wort kommen lassen, wo die doch nichts anderes sagen darf als „Markt und Freiheit“. Und das auch noch als Abschluss des Artikels. Wie wir wissen ein alter Journalistentrick, um seine persönliche Meinung durch einen Protagonisten sagen und vor allem wirken zu lassen.

Jawoll. Der Markt.
Herrlich. Da haben doch die bürgerlichen Radiomacher ihren Klassenauftrag erfüllt, vielleicht sogar übererfüllt.
Hut ab!

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