Drei Freunde fürs Leben

Die Wintertage werden wieder länger und der Klimawandel schüttelt sein Gesicht. Jetzt wo doch alles wieder wärmer werden muss, da fragt sich der deutsche Vizekanzler schon mal, wieso die Energiewende teurer wird, wenn sie kein teures Import-CO2 mehr pupst, während Väterchen Frost den Atem eisigen Windes gefrieren lässt, bis kein Osterei mehr wackelt.

2013 wird nicht nur das Jahrhundertjahr des erigierten Winters, es wird auch das Jahr, in dem man den freien Medien die Hosen auszieht und guckt, wie lang ER denn wirklich ist. Und vor allem was ER wirklich ist? Ist es vielleicht nur ein langer Arm?

Wieviel Schuld tragen wir alle? Diesseits und jenseits der Mauer? Diesseits und jenseits der Front?
Das hat man sich offenbar im Oberstübchen am Mainzer Fernsehberg gefragt und seine Boten in alle Himmelsrichtungen geschickt: Derjenige Ritter, der einen sowohl-als-auch-schwangeren Geschichts-Stoff bringt, der bekommt die Königstochter zur Frau! Eilt Euch!

Ein kleiner Sieg war bereits der erste Angriff: „Unsere Mütter, unsere Väter“ zeigten uns im ZDF, dass es auch nette Nazis gab.
Das haben wir natürlich gar nicht gewußt!
Wirklich nicht gewußt habe ich, daß meine Mütter und meine Väter im Krieg waren.
Waren sie auch nicht. In noch mehr Zwiespalten treibt es da wohl unsere Töchter und unsere Söhne, deren Mütter und Väter höchstens beim Bundesgrenzschutz auf DDR-Grenzer gezielt haben, aber niemals nach Stalingrad marschiert sind.

Der Titel dieser Produktion richtet sich also an meine Mütter und meine Väter. Und die Meinungsmacher hoffen offenbar, daß meine Mütter und meine Väter bereits so blind sind, dass sie den zur Moralkeule erhobenen Zeigefinger nicht mehr in der Magenkuhle spüren.

Jetzt konnte man hoffen, dass damit das Fach Staatsbürgerkunde für dieses Jahr erledigt sein würde.
Na gut, dass der Jauch mangels echter Themen das ZDF-Kriegsdrama mit dem schlechtesten Kriegsfilm-Ende seit „Das Leben ist schön“ nun auch noch in die ARD holte, war fast absehbar.

Doch das ZDF hatte seine „Früher war alles nur halb besser“ – Woche noch nicht beendet.
Inspektor Barnaby, der im ZDF sonst immer alte Frauen in englischen Dörfern oft bei sehr englischen Volksvergnügen der Lüge, des Mordes und des Verzehrens von Ungenießbarem überführt… tat es am vergangenen Sonntag auch.

Nur dieses Mal bestanden seine Täter aus ehemaligen MI6-Agenten, die in den 80ern als Berliner Fluchthelfer im Nebenberuf arbeiteten. Einem davon ging es so schlecht, dass er in seiner Freizeit noch einem Job nachgehen musste: als Verräter bei der Stasi. Ergebnis: Flucht kaputt, Knast usw…
Das wäre alles gar nicht so schlimm gewesen, gäbe es da nicht eine Akte, die den Verräter verrät…
Das war am Sonntag.
Und bereits im ZDF-Montagskrimi ging es um ehemalige Stasi- und BND-Agenten, einer davon ein An-die-Stasi-Verräter. Es ging um eine durch den Verräter vereitelte Flucht. Hier nicht Knast, sondern Tod und Kinderheim.
Das wäre alles gar nicht so schlimm gewesen, gäbe es da nicht eine Akte, die den Verräter verrät…

Es ist ein verrücktes Jahr.
„2013 wird grandios!“ – so kann man mich gerne zitieren.
Die Vergängnisse in diesem Geschehen lassen keine Schlüsse zu und die Medienausstrahlung klingt nach herabfallenden toten Fischen.
Wer hier noch wahrhaftig ist, dem glaubt niemand!
Mir tut nur Anna Loos leid, die sich beim Chefdemokraten, dem versammelten nächtlichen Pro7-Publikum, verquatscht, als sie sich beschwert, dass die Band „Silly“ demokratisch, leider sei.
Zur Strafe klingt der neue Titel der Band nach „Rosenstolz“.

So. Väterchen Frost. Für heute ist’s genug mit Sonne aber mit dem Schnee habe ich mich angefreundet.
Jetzt ahne ich, wie es sein wird, auf meiner Flucht durch Skandinavien…

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