Lebenslänglich. Zweimal.

Nun, im 6. Jahr der Insolvenz kann ich jedem, der über Privatinsolvenz nachdenkt, zurufen: Tun Sie es nicht!
Es gibt eine Menge legaler und entspannter Wege, wie man mit den angehäuften Schulden klar kommt; die Verbraucherinsolvenz ist allerdings der schlechteste von allen.

Denn vom Tag des Schufa-Eintrages an werden Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit NIE WIEDER einen Kredit bekommen. Bei einigen Unternehmen bekommen sie nicht mal mehr einen Telefonanschluß.
Und daran ändert sich lebenslang nichts mehr, es sei denn, die Inkassounternehmen löschen aus Versehen ihren Datenbestand.
Wer einmal bei Creditreform und Co im System steht, der steht auch bei allen anderen sofort im System.
Es ist zwar verboten, trotzdem tauschen die Unternehmen die Daten untereinander.
Die deutschen „Datenschützer“ sind allesamt Feigenblatträger.
In meinem Fall schrieb Creditreform sogar die Firma an, bei der ich als Arbeitnehmer beschäftigt war und wollte das Gehalt pfänden, OBWOHL Creditreform bekannt war, daß sie sich – wenn überhaupt – an den Treuhänder hätten wenden müssen. Und obwohl Creditreform nicht wissen DURFTE, daß ich dort arbeitete.
Sie wußten es trotzdem. Da ich weiß, wem ich die neue Arbeitsstelle mitgeteilt hatte, weiß ich auch, welches Unternehmen infrage kommt für die „Datenpanne“.
Meine Beschwerde beim „Datenschutz“ wurde beantwortet. Nun weiß ich allerdings, daß der Datenschutz unsere Daten nicht schützt, sondern nur haarsträubende Erklärungen liefert, wenn man eine Frage hat.

Sind Sie insolvent, dann verabschieden Sie sich von dem Glauben, ein Rechtsanwalt würde Anwalt Ihrer Rechte sein.
Ab sofort wird kaum ein gut beschäftigter Rechtsanwalt Ihre Rechte vertreten. Sie bringen nicht genug Geld, da Sie auf Beratungshilfe und Prozeßkostenhilfe angewiesen sind. Es gibt zwei Ausnahmen.
Die erste: sie finden einen Anwalt, der so etwas wie eine soziale Verantwortung fühlt.
Die zweite: der Streitwert ist so hoch, daß der Anwalt eine schicke Gebühr berechnen darf, falls Sie gewinnen.
Aber einen Anwalt zu finden, der Sie gegen Ihren Insolvenzverwalter vertreten soll, weil der Sie falsch berät oder sogar betrügt, ist so gut wie ausgeschlossen. Es scheint da einen Kodex zu geben.

Der Glaube, ein Insolvenzverwalter hätte die Aufgabe, Sie gut zu betreuen, ist irre.
Es gibt sicher Rechtsanwälte, die den Schuldnern gegenüber fair auftreten. Ihre Aufgabe ist dies allerdings nicht.
Sie müssen sich also mit einer Menge Literatur ausstatten, die Ihnen Ihre Rechtesituation erläutert, da Sie kaum Beratung bekommen werden, die Ihnen wirklich hilft.
Vor Gott ist Ihr Verwalter/Treuhänder Ihr Feind, da er die Interessen der Gläubiger vertritt, nicht Ihre!
Ein gewitzter Treuhänder wird von Ihnen auch Dinge verlangen, die nicht rechtens sind.

Das P-Konto ist nicht zu Ihrem Schutze da. Es heißt zwar „Pfändungsschutz-Konto“, aber ein großes deutsches Müll- und Dreckunternehmen heißt auch „RWE-Umwelt“, „Landliebe“ liebt das Land und seine Bauern nicht und „Nullwachstum“ ist kein Wachstum, sondern Stillstand.
Wehe, auf Ihr P-Konto geht einmal mehr Geld ein, als der aktuelle Pfändungsfreibetrag zuläßt. Dann ist das überschüssige Geld weg. Es bleibt Ihnen nur der Pfändungsfreibetrag. Das überschüssige Geld wartet dann seelenruhig auf die nächste Pfändung.

Auf einem normalen Konto bei einer guten Bank, wie z.B. der VR-Bank, können Sie sich gegen ungerechtfertigte Pfändungen noch wehren. Wehe dem, der insolvent ist und sein Konto bei der Sparkasse hat. Dann ist das Geld weg.
Jetzt brauchen Sie einen Anwalt, der Ihnen das Geld zurück holt. Doch… siehe oben.
Dafür, daß Sie plötzlich Ihre Miete nicht zahlen können, interessiert sich niemand… außer Ihr Nervensystem und Ihr Vermieter. Und Ihr Vermieter ist laut Rechtssprechung neuerdings berechtigt, nach der ersten säumigen Miete fristlos zu kündigen.

Seit ich die Insolvenzwüste durchschreite, weiß ich, wie schnell ein Akademiker unter der Brücke landen kann. Mit voller Unterstützung des Gesetzes, ob rechtens oder nicht!
Früher habe ich darüber gelacht.

Heute weiß ich: das Insolvenzrecht ist ausschließlich für die Gläubiger gemacht, nicht jedoch für die Schuldner.
Privatinsolvenz ist keine Rettung sondern der geregelte Ruin.

Wehe dem, der sich an den Gesetzestext hält und sich um neue Arbeit, also Einkünfte bemüht!
Ich habe eine Arbeit angenommen, die voraussetzte, daß ich täglich 2 x 100 km fahren mußte.
Was das heute in Zahlen bedeutet, muß ich nicht vorrechnen – lediglich dem Insolvenzgericht gegenüber…
Nun, wenn man nicht aufpaßt – und das geht ganz schnell – hat man nicht nur seine Pflicht erfüllt; man hat sogar neue SCHULDEN.
Klingt paradox. Ist aber die Realität.

Die Details gibt es demnächst in meinem Buch „Lebenslänglich. Zweimal!“

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