Reden befreit vom Denken

Letztens wurde ich gefragt, was das für ein Gefühl sei, ein großes Buch zu schreiben.
Die Antwort war seltsam, aber sie wurde mir diktiert aus dem Raum:
„Ich komme an.“

Daran sieht man schon, wie blöd diese Was-ist-das-für-ein-Gefühl-Fragen sind. Weil die Antworten darauf die immer gleichen sein sollen, die vermutlich aber kein Denkender mehr hören möchte.
Ich meine, was ist das wohl für ein Gefühl, wenn einem die Geldscheine hinterhergeworfen werden und alle Menschen deine Freunde sind?
Was ist das wohl für ein Gefühl, wenn man das 1:0 und den einzigen Treffer im wichtigsten Spiel aller Zeiten erzielt?
Wenn man Vettel abhängt?
Wenn man nach 100 Jahren im verschimmelten Probenraum endlich als Headliner auf der Bühne steht und backstage all die Ekelbatzen, die einen gestern noch nicht mal mit dem Arsch angeguckt haben, plötzlich so tun, als sei man der wichtigste Mensch in deren Leben?

Wie soll man denn dieses Gefühl in eine 30-Sekunden-Antwort packen, ohne eine Antwort geben zu müssen, die ebenso töricht ist wie die Frage?
Wenn einer nicht weiß, was er fragen soll, dann weiß er nicht, was er vermitteln will.
Wenn er lediglich den Stolz darüber vermitteln will, jetzt in diesem Moment mit dem größten aller Vorbilder reden zu dürfen, dann fragt er eine Was-ist-das-für-ein-Gefühl-Frage, weil er selbst ein großes Gefühl fühlt.

Ich hatte mal eine Freundin, die mich betrog und die meinte, der andere sei so mitfühlend, er würde sie immer fragen, wie sie sich fühlt.
Was soll ich sagen?
Das nenne ich „denkbefreit“!
Warum?

Das ist deine Hausaufgabe bis morgen.
Und jetzt: Hofpause!

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