Nannsens

Die Süddeutsche Zeitung ist ein Blatt, das beim Intellektuellen-Blind-Date besonders gern als Erkennungsmerkmal unterm Arm getragen wird. Dabei leuchtet es wie eine Weiße Fahne vor dem nahenden Kennenlernen und der Entdeckung der Flachheit. Nun, wer glaubt, bei elitepartner.de eine einsame Führungskraft mit viel Kopf hinter der Stirn zu treffen, der sollte dringend die Zeitung wechseln.
Bei der Süddeutschen, von ihren Freunden auch liebevoll „Süddeutsche“, oder bei fröhlicher Zeitnot auch „SZ“ genannt…; bei der SZ also sollen Journalisten arbeiten, die insbesondere dadurch auffallen, daß sie das schreiben, was niemand wissen soll. An dieses Wissen kommen sie durch grandiose Recherchen, wie z.B. einem Anruf im Lagezentrum des Innenministeriums, oder (ganz abgefahren) beim gemeinsamen Sexkinobesuch mit dem LKA-Direktor.

In Deutschland ist es übrigens deutlich schwerer, z.B. ein schickes 9-Zimmer-Loft zu finden, als an geheime Informationen zu gelangen. (Das liegt weniger an den vorhandenen Informationen, als vielmehr daran, was heute als „geheim“ gelten darf.)
Jetzt sollten sie dafür einen Preis bekommen. Einen ehrenwerten Preis, wie der Chefinvestigator Leyendecker tatsächlich glaubt. Dabei wird der Preis vom Focus-Macher ausgelobt!
Also diesen Preis, mit dem die zweite Reihe des Boulevardjournals gerne die erste Reihe der deutschen Schreibmaschinen beklebt, sollten 3 Leute der SZ bekommen.

Das an sich fanden die gar nicht schlimm!
Aber daß Helmut Markwort und die ihm unterwürfige Jury auch gleich noch zwei Schreibhälse der BILD bekleben wollte, ging den 3 Edel-Süddeutschen einen Absatz zu weit. Sie sagten ab.
Dabei sollten sie dem Herrn Focus echt dankbar sein, daß der ihnen die Chance gegeben hat, gut aus der Affäre zu kommen. Allein zu dritt aufs Podest gerufen, wären sie wohl gegangen worden. Aber mit der BILD zusammen einen Blumenstrauß zu teilen, das kann man den Herren offenbar nicht zumuten.
Dabei ist die Wahl des Preises, der alljährlich mit dem Namen des hitlertreuen Journalisten Henri Nannen veredelt wird, nur die landesweite Bestätigung dafür, daß aus deutschen Redaktionsstuben heraus nicht mehr recherchiert oder gar nachgefragt wird. Außer Hans Leyendecker sitzt vermutlich kaum noch ein Denker in Lohn und Brot eines industriellen Verlegers.

Wenn BILD nun also die Speerspitze des deutschen Journalboulevardes darstellt, wenn also eine simple Rufmordkampagne heute als „investigativ“ eingestuft wird, dann wäre es doch eigentlich an der Zeit, alle Journalistenschulen zu schließen und schnell wieder die herrschaftliche Zensur einzuführen.
Ach stimmt, sie sind ja schon dabei…
Na dann bleibt nur eines: Leyendecker und seine Kumpels müssen dem Beruf den kalten Daumen zudrehen und in die Werbung wechseln.

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