Die dunkle Zeit

Der Tag ist fern noch, da gesprochen wird, wir, die Elenden, hätten im dunkelsten aller Zeitalter gelebt. Jeder menschlichen Freiheit beraubt – also wird man uns bedauern. Bekundet doch die Herrschaft täglich das Gegenteil; wiewohl jedem Mann klar sein möge, daß nur die Lüge der ständigen Erinnerung bedarf: damit sie wahr werde.

Wie in Rom vor Jahren werden wir in Käfigen gehalten, die sich Städte und Dörfer nennen. Die Seile, mit denen man uns bindet, bestehen aus Zahlen und Worten. Alles aber zu dem Zwecke der alltäglichen Arbeit. Der Lohn aber gewährt den Herren ein hohes Leben, nicht aber mir und meinen Kindern. Wir sind die Sklaven, die von ihrer Hände Arbeit nicht einmal mehr leben können. Gerade noch genug Geld bleibt uns, um das Handelsgut der Herren zu erwerben, das uns Linderung verspricht, aber nur Schuld über uns bringt. Das ist der Verfall der Sitten!

Wehe dem, der die Wahrheit singt. Wenn die Herren es gut mit ihm meinen, schicken sie ihn fort als Narr, Schauspieler und sonstiger Dummkopf. Meinen sie ihm böse, dann ist er das nächste Opfer auf dem Altar der Rechtschaffenheit. Du staunst? Denn rechtschaffend ist nur der, der dem Fürsten um den Bart geht.

Svarin, vermutlich 14. Jahrhundert

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