Eine Pleite wie du und ich

Wo sind sie alle hin? Die tausend Kommentatoren, die vor wenigen Jahren noch den Heiland Obama kommen sahen und mit weiser Gewißheit vorausahnten, daß jetzt alles besser würde? Ich erinnere mich an Schreiberlinge, die sich sicher waren, daß die USA ab sofort eine Friedensmacht werden würde und nur Obama persönlich die Finanzkrise reparieren kann. Er hätte die Fähigkeit, aus der Welt ein fröhlich singendes Volk zu schmieden, das nie wieder masturbieren müsse, um zum Höhepunkt zu kommen.

Nichts ist passiert. Bis auf das Gegenteil.
Und selbst ein toter Bin Laden hat nicht geholfen. Na gut. Das war auch blöd in Szene gesetzt. Kubrick ist halt tot. Frank Beyer auch. Und es war sowieso kein Geld da. Kenn ich. Das Problem. Dann kauft man halt keinen Profi, sondern lieber jemanden, der immerhin eine Profikamera hat… ist ja klar. Daß der dann erstmal eine halbe Stunde lang den Weißabgleich übt, während die Laiendarsteller schon mal alles über den Haufen ballern – ähm, ja, hätte man mich gefragt…
Nun, das haben sie jetzt davon. – Allerdings gesteht man die Logik- und Schnittfehler noch nicht öffentlich ein. Das passiert ja immer erst, wenn der Boß abgewählt und bereit für eine Handvoll Arschtritte ist.

Jedenfalls: die geben sich jetzt richtig Mühe, den schwarzen Peter anzukreiden. 1963 wurden solche Probleme noch ganz einfach gelöst.
Überhaupt weiß man doch momentan nicht mehr, wer da wem die Beine weghauen will. Ich freue mich schon auf die Publikation der Bundeszentrale für politische Bildung in – sagen wir mal – 80 Jahren, wenn sämtliche Schuldigen tot sind und die mutigen Geschichtsschreiber die historische Wahrheit an den Pranger kleben.

Draußen scheint nun also die Sonne hell, während die Börse sich auf einen dunklen Abschnitt in der Geschichte der Börsengeschichte einrichtet. Die Broker rutschen bestimmt schon unruhig auf dem Holzstuhl und rühren mit zittrigem Finger den Martini vorm Kamin, während Anne Will sich ärgert, daß sie heute keinen Talk machen kann („Ist die Börse voll im Arsch? – Kackt das westliche Wertesystem ab?“); mit Hans Olaf Henkel, Oskar Lafontaine, Giovanni di Lorenzo, Arend Oetker und Philipp Rösler.

Stattdessen wärmt die CSU einen alten Gaul auf und bringt sich etwas übermütig ins längst abgegessene Gespräch und will die LINKE verbieten, weil die Oberlinke vor einiger Zeit vergessen hatte, was Marx sich so gedacht hat und ihre eigene Theorie versprüht hat, welche Wege man zum Kommunismus pflastern muß. Und – so meint es jedenfalls der soeben aus dem Weißbierkoma erwachte Sozialchrist – wer das böse K-Wort in den Mund nimmt, der soll sich zuerst übergeben, bevor wir ihn dann aus reiner Nächstenliebe dem Verfassungsschutz zuführen.
So hätte Gott das sicher gewollt.
Das Thema ist jedenfalls sehr praktisch gerade, damit nicht irgendein dahergelaufener Antichrist auf die Idee kommt, die Börsensplitter einzusammeln und danach dann eine kommunistische Gefahr zusammenzubasteln.

Tja, es gibt eben keine Alternative zur besten aller Gesellschaftsordnungen: dem amerikanischen Lob- und Hudeltrickbetrug mit Pistole am Kopf und BILD am Sonntag .
Nur damit das klar ist!
Immerhin hat sich die Welt seit der Einführung der D-Mark zu einem Hort der Lebensfreude entwickelt, so wie es der Herr dem Kapitalismus in die Wiege gelegt hat. Und wehe, jemand sagt das Gegenteil. Dann bekommt er ganz schnell die volle Meinungsfreiheit zu spüren.

Frohes Fest!

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2 Kommentare
  1. Wie einfach ist es doch, Obama jetzt (leider etwas billig) nieder zu machen?! Jetzt, da er sich eines innenpolitischen Gemetzels ausgesetzt sieht, das 2009 noch niemand für möglich gehalten hatte. Damals, als „HOPE“ das Wort für eine neue Art des Regieren-Wollens war und die Konservativen und Frau Palin in Schimpf und Schande unter gegangen schienen. Ja, da war er der Hoffnungsschimmer und ja, darauf sind viele Berichterstatter und noch mehr Menschen abgefahren. Heute mit dem Finger auf Obama zu zeigen, weil ihn Realitäten eingeholt haben, finde ich unnütz. Die eigene Polemik sogar darauf abzustellen und nicht genauer hinzusehen, warum die Krise von wem entfacht wurde – inklusive der alten Brecht-Frage, wem sie denn nützt(!) – das ist eigentlich das Studium eines sonst so fintenreich gesetzten Blogs nicht wert.

  2. Nun, ich hatte Spaß an etwas preiswerter Häme. Immerhin war ich derjenige, der im Obama-Wahlkampf immer schon dem Optimismus das Recht auf Existenz streitig machte.
    Insofern, ja. Ich stimme dir zu. Ich hätte nur schreiben brauchen: Hab ich doch immer gesagt, damals!

    Andererseits bin ich gerade ratlos und kann leider nicht mehr zweifelsfrei erkennen, wem diese Krise nützten soll.
    Daß, wenn sich Schwergewichte streiten, schon mal die Erde bebt, ist keine neue Erkenntnis. Doch wer mit wem und gegen wen und vor allem: warum? Ich bin verwirrt. 😉

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