Mecker und Geklecker

So. Zirka eine Stunde habe ich mich durchs Netz gewühlt, um ein paar Hinweise zu erhalten, was ich gegen die Globalisierung tun kann. Oder anders gesagt, was ich gegen EHEC-Gurken in meinem Kochtopf tun kann. Aber nichts! Ich habe kaum Sinnvolles finden können! Fast ausschließlich Gemecker. Woran liegt das? Hätte ich noch 2 Tage suchen sollen?
Mmh.
In irgendein Blog wollte ich was schreiben, als mir klar wurde, daß ich mein Leben schon fast komplett auf Anti-Globalisierung umgestellt habe. Und da wurde mir klar, daß ich quasi der Kopf einer Revolution bin, daß ich ein Vordenker und ein leuchtendes Beispiel bin, ja sogar: daß ich die Anti-Globalisierung LEBE!
ICH BIN ES!
Doch wie formuliert man „Anti-Globalisierung“ so, daß ein mit den üblichen Vorwurfsparolen bewaffneter Mensch mir nicht den Nazi machen kann? Nicht den Rassisten und schon gar nicht den Ausländerhasser? Geht das überhaupt noch? Ist unsere Streitkultur nicht längst erstickt an vorformuliertem Vorwurfssperrfeuer?
Sagst du, der ausländische Nachbar rieche doof, heißt es: RASSIST!
Und das liegt nur am Wort „ausländische“. Komisch oder? Also wirklich: komisch im Wortsinne! Ich habe jedenfalls geschmunzelt ob soviel Blödsinn. Und das hört nicht auf! Denn ein „Rassist“ an sich ist ja nichts weiter, als jemand, der sich traut, festzustellen, daß ein Neger anders aussieht als ich. Das darf man heute aber nicht mehr. Wir sind alle gleich…
Ich nenne jetzt die „Anti-Globalisierung“ ganz simpel: Regionalisierung.
In stillem Gedenken an den deutschen Agrarökonomen Johann Heinrich von Thünen hier meine Thesen, die ich nun mit der Tastatur an die Wandzeitung im ellenlangen Flur des Internet leicht schief mit Reißzwecken anbacke.

Grundsätzlich: stelle so viel wie möglich selbst her. Ein eigener Garten und eine auf Lebensmittelproduktion ausgerichtete Küche, ein Kartoffelkeller und eine Speisekammer sind Idealvoraussetzungen.
Wer kaufen muß, der kaufe bewußt.

1. Kaufe Fleisch und Wurst nur beim Fleischer aus der Region, der traditionell und ohne Chemiearomen arbeitet, der seine Tiere selbst aufzieht oder von Bauern aus der Region bezieht. Schau dir die Fleischerei von innen an! Überzeuge dich mit eigenen Augen, daß in der Räucherkammer noch mit Rauch geräuchert wird und nicht mit „Flüssigrauch“.

2. Kaufe Milch und Milchprodukte nur frisch beim Milchbauern aus der Region . Natürliche Butter hält sich deutlich länger, wenn sie in einmal aufgekochtem Salzwasser gelagert wird (auch im Kühlschrank). Echte Milch hält sich nach Flaschenöffnung bis zu 4 Tage. Wird sie sauer, kann sie „dickgelegt“ werden und dann als Dickmilch mit Marmelade… mmmmh. Und echter Quark hält sich fast ewig. Hat sich in meinem Kühlschrank etwas Quark angesammelt, lasse ich ihn einen Tag trocknen und stelle daraus Käse her. …Im Supermarkt heißt sowas: Frischkäse. Ich weiß nur nicht, was an Käse frisch sein soll 😉

3. Kaufe Obst und Gemüse nur beim Gärtner aus der Region und – so weit es geht – nur Saisonfrucht aus eigenem Anbau.

4. Kaufe Kleidung nur, wenn dringend nötig und dann möglichst bei regionalen Händlern. Und wenn es nicht anders geht und das einzig sinnvolle Kleidungsstück gibts nur bei Esprit, dann kaufe es in einem Laden, der von einem einheimischen Inhaber betrieben wird. Kaufe T-Shirts im Copyshop gegenüber! Selbst wenn du dir deinen eigenen Namen draufdrucken läßt, ist das T-Shirt noch günstiger als bei H&M.

5. Kaufe nur beim Bäcker umme Ecke, der kein „Fitnessbrot“ im Angebot hat, der also seine Teige noch selbst rührt!

Die Umstellung von Supermarktwurst und Industriemilch und so weiter auf echte Produkte fällt nicht in jedem Fall leicht. Denn eine echte Räucherwurst schmeckt ziemlich kräftig und echte Butter hat einen starken Eigengeschmack. Wer nur Hansano-Quark kennt, der sollte sich bei echtem Quark auf eine völlig neue Erfahrung einstellen, ähnlich wie bei echter Leberwurst im Gegensatz zum Supermarktstreichfettersatz.
Und die Natur will es so, daß hierzulande am Anfang des Jahres der Tisch nicht allzu üppig gedeckt ist.
Ich kaufe ein bis zweimal pro Woche bei Bauern und Handwerkern ein und habe mich daran gewöhnt, daß der Kühlschrank auch mal sehr leer sein kann. Aber Speck, Brot und Ei sind fast immer da… also: keine Gefahr.


Soweit für heute.
Ich gehe jetzt in die Küche. Es gibt Spargel aus Alt Meteln, Kartoffeln aus Pinnow, Schinken aus Ruest, Sauce Hollandaise selbst gerührt mit Butter aus Vorderhagen und Eiern aus Ruest 🙂

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4 Kommentare
  1. Burkhard sagte:

    Moin,

    Ja Pustekuchen! Bei den örtlichen (um SN) Biokuhmelkern wird die dicke Milch auch bitter und nicht sauer wie es sollte.
    Vermute da hochgradigen Beschiß 😦

    Gruß Burkhard

  2. ariald sagte:

    Klingt gut alles…ich werde auch immer ,,erdiger“…grad vor 4 Tagen Tomatenkerne angepflanzt…jetzt wundere ich mich gerade wann das treibt…

  3. Polizei Osterei sagte:

    Dieses Handeln ist übrigens auch zutiefst antikapitalistisch. Ein Schlag in die Magenkuhle der Chemieindustrie.
    Wenn die Menschen wüßten, daß Olivenöl oder Speckfett für die Haut wesentlich besser ist als jede Kunstcreme – und im Verbrauch viel günstiger…
    Ich nehme seit Jahren nur noch Olivenöl. Wenn ich aber zwischendurch mal eine Chemiecreme nehme, wird die Haut sofort trocken!!!

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