progressistischer rassist?

ja, ich bin vermutlich ein progressiver konservativist. oder doch schon ein konservativistischer progressiver? oder progressist?
da fragte mich gestern eine menschenfrau, auf welcher seite ich denn stünde?
wie jetzt?
na, bist du links oder rechts oder ostalgist oder was?
ähm.

nein.
als ich aufwuchs, gabs sowas nicht. schon deshalb habe ich nie darüber nachgedacht, mich in irgendeine bürgerliche schublade zu packen.
früher waren alle fortschrittlich. fertig. so hieß das zumindest. ich habe das geglaubt. ich war fortschrittlich. deshalb habe ich in der schule im clubraum angefangen, die häßliche wand mit kuhlen plakaten zu bekleben.
das war aber in wirklichkeit doof, fand die direktorin. denn die häßliche wand bestand aus einem total tollen gemälde. es war ein fortschrittliches gemälde. das konnte man daran sehen, daß der großteil der wand irgendwie blaurotweiß aussah mit einem leichten grünstich. aber wenn man näher ran ging, dann waren das blaue und rote und weiße farben gemischt mit einem leichten grünstich. wir jugendlichen fanden das jedenfalls irgendwie nicht so. ich hielt es für fortschrittlich, darüber lieber bunte plakate von rockstars zu kleben. natürlich im verhältnis 60:40 – ist klar! nun, ich habe dafür irgendwas bekommen. eine strafe. war es ein verweis? ich weiß es leider nicht mehr. vermutlich war die künstlerin eine dolle genossin und die direktorin ihre freundin. die war nämlich auch eine dolle genossin. im stabü-unterricht konnte sie uns wirklich gut erläutern, warum der kapitalismus zum scheitern verurteilt war. und einen teil ihrer zeit verbrachte die direktorin damit, dafür zu kämpfen, daß ich nicht zum abitur gelassen werde. das war lustig. weil plötzlich die musiklehrerin erkannte, daß ich gar nicht so musikalisch war, wie es schien. ich habe zwar den ersten platz beim fest junger talente gewonnen und trat mit unserer kleinen band im schulklub auf… ich spielte schlagzeug, gitarre und klavier und konnte sogar singen… aber wenn es darum ging, mir das abitur zu klauen, dann hagelte es plötzlich zensuren jenseits der befriedigenden noten.
das war nicht einfach für die musiktante!
sie schaffte es gerade mal, daß ich auf dem abschlußzeugnis eine 3 hatte – und der oberhofstadtschulbescheidwisser im ablehnungsschreiben schreiben konnte: sie wollen zum film? bei DEN zensuren in den künstlerischen fächern?
tja. und was soll ich sagen. all diese scheiße hat nicht die DDR mit mir gemacht. es waren menschen aus fleisch und blut, die heute immer noch kinder unterrichten dürfen.
und genau so ist der politische mensch. auf die DDR kacken, „ich wars nicht!“ rufen und weiterkacken.

„wenn du dich im recht fühlst, sagst du deine meinung!“ – das hat kein revoluzzer gesagt. das war eines tages die überschrift auf seite 3 in der „trommel“!
ich habe das geglaubt.
was nicht in der zeitung stand: wer das tatsächlich in einer menschlichen gemeinschaft mit diversen abhängigkeiten durchzieht, der wird im osten maximal gärtner und im westen schafft er vielleicht eine ALG2-karriere.
und jetzt gibts nur noch westen.
und ich überlege, gärtner zu werden.

🙂

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