sparstrumpf oder das ende eines jahrhundertjahrzehnts

meine journalistischen lieblingsunworte der letzten 10 jahre:

„in zeiten von knappen kassen“
„sparzwang“
„klamme kommunen“

da fragt sich doch das besorgte brd-mitglied, ob die kollegen schon mal ein geschichtsbuch in der hand hatten.
ah, nein! „die säulen der erde“ ist ein roman!!! ich gebe zu, ein verkorkster roman, aber deswegen ja auch ein bestseller! nun ja, rtl hat ja inzwischen auch die ard überholt. das wird mit sicherheit zu einem erneuten sparzwang bei den öffentlich-rechtlichen führen. oder ist das die fortsetzung des sparzwanges von kürzlich?
die nichtdenker werden fix fragen: wofür verbrennt ihr eigentlich unsere gebühren?! wenn die andern, die uns nix kosten, ja viel erfolgreicher sind!
schwer wird zu erklären sein, daß es notwendig ist, eine verwaltung zu finanzieren, die zum großen teil nur sich selbst verwaltet.

aber noch schwerer ist zu vermitteln, daß qualitativ hochwertiger rundfunk nun mal verdammt aufwändig ist!
mit den gebühren werden schließlich nicht nur lindenstraße und fernsehgarten finanziert, sondern auch privilegien, die quasi unbezahlbar scheinen: die enorm erfolgreichen ard-regionalprogramme und der nichtstattfindende werbeblock in spielfilmen.

daß eine persil-unterbrechung von rambo oder schwarzenegger nicht weiter schmerzt, vielmehr eine art erlösung darstellt, spürt der quotenmob schon lange nicht mehr. die „werberelevante zielgruppe“ glaubt tatsächlich an dsds und barbara salesch und hält sky du mont für einen großen schauspieler.

aber zurück: was wollen die kollegen uns sagen, wenn sie ständig vom sparen reden?

wer will dieser gesellschaftsorganisation jahr für jahr immer mehr geld wegnehmen?
wer will autobahnen statt theater?
wer will schloßneubau statt jugendclubs?
wer will atomstrom statt sinfonieorchester?
wer will wachstum statt bildung?
wer will gewerbegebiete statt streusalz?

der chefredakteur meint, das kann man nicht so vereinfachen?
genau. ich sah vor einiger zeit ein hochinteressantes gespräch bei phoenix. da sprach gerhard schröder einen zusammenhang aus, der schlicht und erschütternd war. darauf insistierte der moderator, DAS könne man SO nicht sagen! darauf schröder empört: „aber entschuldigen sie mal! wenn etwas so ist, dann darf man das ja wohl auch so sagen!“ – das war mein wahrscheinlich fünftbester lacher des jahrzehnts!
in diesem gespräch ging es darum, wie hoch die gefahr sei, daß rußland uns den gashahn zudreht. lediglich der moderator (wirtschafts-journalist) sah diese gefahr. sämtliche geladenen fachleute inkl. politiker haben sich mehr oder minder lustig gemacht über die absurde idee, rußland könne energiepolitisch nationale alleingänge starten.
man kann es so vereinfachen: wenn die russen am gashahn drehen, dann dreht barclays bank am kreditlimit.

tja. und was ist das fazit?
zehn jahre im neuen jahrtausend?

fünfzig jahre, nachdem der russe alle kleinkinder aufgefressen hat?
vierzig jahre, nachdem die nordsee leergefischt ist?
dreißig jahre, nachdem der deutsche wald abgestorben ist?
zwanzig jahre, nachdem wir alle erstickt sind, wegen ozonloch und so?
zehn jahre, nachdem uns der euro explodierenden wohlstand gebracht hat?

jetzt sind die kassen leer.
woran werden wir alle in den nächsten zehn jahren sterben?

ratlos entlasse ich dich in ein neues jahrhundertjahrzehnt!
ja. „jahrhundert-“ als superlativ. das ist mein lieblingsunwort für heute.

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