20 Jahre Welt

„Deutschland“ höre ich immer. Ost und West und so… Einheit. Und: positive Bilanz.
Ja. Warum nicht.

O.k. ich weiß längst, daß wir früher nur in grauen Kitteln und gebückt zur Akkordarbeit ins Kombinat gekrochen sind; jeden Morgen um 5 Uhr 30 mit Einheitsmusik aus dem Einheitsradio und mit sozialistischen Parolen aufgestanden worden sind und wir ständig gegen die Mauer gelaufen sind und uns dabei heftige Kopfverletzungen zugezogen haben… Das kollektive Kacken hat Nazis aus uns gemacht und jeder, der „Banane“ gedacht hat, mußte für 100 Jahre ins Stasigefängnis. Ja.
Und jeder, der heute sagt: Moment! Das war überhaupt gar nicht so! – dem schreit man „Kommunist“ oder „SED-Pack“ hinterher.
Noch viel schlimmer sind diejenigen, die sagen, sie hätten ein fröhliches Leben in dem kleinkarierten Land gehabt. Sie werden gern „Schönredner“ geschimpft!

So.
Jetzt wissen wir bescheid.

Doch es geht noch besser. Vom „Schwarzen Kanal“ lernen, heißt argumentieren lernen, dachte sich das Wissenschaftsmagazin „Focus“ und veröffentlichte eine Parodie auf politischen Journalismus: Von Anpackern und Jammerlappen.
Ja? Das ist das Schöne an diesem neuen Staat: jeder darf schreiben, was er will. Deswegen wird vermutlich auch kaum noch gelesen.

Die DDR hat es ihren Feinden leicht gemacht, sie zu hassen. Zuviel Blödsinn hat die SED-Bande verzapft, zu vieler Verbrechen und Ungerechtigkeiten haben sich die DDR-Führung und ihre Behörden schuldig gemacht.

Und doch gab es Millionen von Menschen, die in dem kleinen deutschen Land mehr oder minder zufrieden ihren Tag verbracht haben. Sie haben sich den Tag so schön gemacht, wie möglich. Es wurde gelacht, geherzt, gefeiert und – gearbeitet.
Bis heute wird nicht öffentlich darüber gesprochen, daß Millionen Werktätige in der DDR tagtäglich Privileg-Produkte, Aldi-Tüten oder IKEA-Möbel produziert haben – aber nichts davon im Geschäft kaufen konnten. Über das Verhältnis DDR-Arbeitslohn : BRD-Verkaufspreis will ich sicherheitshalber nicht nachdenken.
Aber wie stolz war ich seinerzeit auf meine Puma-Sporttasche! Hergestellt im VEB Lederwarenwerk Schwerin, irgendwie rausgeschmuggelt von Bekannten…

Jap. Es ist gar nicht schwer, heute eine positive Bilanz zu ziehen. In einem globalisierten Finanzsystem spielt Deutschland irgendwie vorne mit und kann nicht wirklich rumheulen. Es geht uns heute materiell besser als damals – aber das ist ja wohl auch das Mindeste! Und darüber will ich nicht meckern.
Achso: ja, wir haben 20 Jahre Freiheit und Demokratie. Aber das ist eine andere Geschichte…

Schöne Woche noch!

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4 Kommentare
  1. burkhard sagte:

    Jaha, schön geschrieben Falk von Morgen! Und so war und ist das wohl, laut gemeckert wurde sogar, am lautesten am Biertisch. aber das ist ja heute auch so gebliebennochimmer….allerdings ist der Schnaps besser geworden. wie ganz viele andere Sachen auch.
    Ach ja: Wer hat denn den Frank Thewes eingeschaltet? Sofort wieder abschalten!

    • Ich habe schon zweimal (mit unterschiedlichen IPs) nen sachlichen Kommentar bei Focus eingetragen. Beide male wurde nicht veröffentlich. Dagegen war DT64 ja ein Hort der Meinungsfreiheit 😉

  2. Mirko sagte:

    Warum muss man immer alles schlecht machen? Die deutsche Einheit war ein einmaliges Geschenk der Geschichte. Andere Länder (Korea) wären froh wenn sie eine solch eine Chance bekommen würden.

    • Mir geht es nicht ums Schlecht-machen. Ich will, daß die Geschichte endlich differenziert betrachtet wird. Mehr nicht 😉

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