Rechte Piraten?
Kurz machte ich mir Gedanken zu den vielen Artikeln, die ich zum Thema „Interview eines Piratenkapitäns in der Jungen Freiheit“ lesen durfte. Von Artikel zu Artikel (taz, Spiegel, Vorwärts usw.) stieg mein Blutdruck. Zuerst (taz) begann es mit Konzentrationsproblemen. Denn: sollten unsere Wissenschaftler nicht zur geistigen Elite gehören? Eigentlich? Dieser Mann aber schreibt Dinge, als hätte er noch nie einen Fernsehapparat gesehen… Er bemängelt bei den Piraten, sie seien UNPOLITISCH! Und das ausschließlich deshalb, weil sich diese Politpunks nicht auf die hundert Jahre alte Links-Rechts-Ordnung einlassen wollen. Ja hat denn unser Wissenschaftler noch nicht bemerkt, daß es in der Realpolitik derzeit kein Links und Rechts gibt? Ach stimmt! Wissenschaftler sind ja Leute, die, statt logisch zu schlußfolgern, immer eine Studie brauchen, um zu einer Erkenntnis zu kommen. Na gut. Dieser Schreiberling ist in seinem Irrglauben wenigstens gründlich und bis zum Ende des Artikels konsequent.
Für viel mehr Verwirrung in einem klugen Kopf sorgt der Spiegel in seiner Online-Ausgabe. Der Artikel beginnt wie ein seriöser Artikel und wird dann plötzlich politisch wertend. Schon nach wenigen Sätzen wird unterstellt, die Junge Freiheit agiere am rechtsextremen Rand des politischen Spielfeldes. Leider wird das nicht belegt.
Laut Spiegel argumentieren die Piraten sogar mit Argumenten, mit guten sogar, wie ich finde.
Doch diese werden nicht bewertet, stattdessen reklamiert der Autor bei den Piraten „Mangel an Einsicht“.
Ich fragte mich: welche Einsicht?
In meinen Ohren klingt das wie der schlimmste aller schlimmen unlogischen Elternvorwürfe; die Frage, auf die es keine Antwort gibt, weil sie gar nicht zugelassen wird: „Was hast du dir dabei gedacht? Hä?“
Da wurde mir endgültig schlecht.
Eva Herman ist noch gar nicht lange mundtot, da wird schon wieder auf einen Menschen geschlagen, der es wagte, sich jenseits des Blabla zu äußern. Nur weil jemand sich die Freiheit genommen hat, frei zu entscheiden!
Er hat Autobahn gesagt! – höre ich sie rufen.
Plötzlich wurde ich zum Quadrat und flog als Staubkörnchen durchs Zimmer – hinaus durch eine Ritze an der Balkontür – bis in den Himmel. Da sah ich auf ein Volk, das popelnd und chipsfressend die Formel 1 für eine spannende Sportart und Verona Feldbusch für gutaussehend hält. Das medial regiert wird von Männern, die sich noch nie geschlagen haben; von Frauen, die ihre eigenen Kinder nicht erziehen können; Ich sah Mütter, die ohne Maggi keine Brühe mehr ansetzen können und Väter, die zum Bildaufhängen einen Handwerker oder einen Notarzt benötigen.
Ich sah Kinder, die noch nie gesehen haben, wie ein Apfel vom Baum fällt.
Was ist passiert?
In Wirklichkeit ist folgendes passiert: die Piratenpartei hat sich in meinen Augen als intelligent geoutet.
Jetzt muß ich darüber nachdenken, ob Intelligenz in der aktuellen Politik von Vorteil ist.
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