Die Profis aus der hohen Musik

Dieter Gorny ist eingeschnappt. Und hat dann mal kurzerhand seine Popkomm abgesagt. Es sei „ein Zeichen des Protests gegen „Internetpiraterie“", so Gorny. Er beschwört wieder das Gespenst der „digitalen Krise“, wonach die „Internetpiraterie“ die Musikbranche kaputt mache. Er nennt es sogar „Diebstahl im Internet“.
Und – es sei ein Zeichen an die Politik. Die hohen Damen und Herren in Berlin mögen bitte endlich etwas dagegen tun.

Ich verstehe ja, daß die Musikindustrie jammert. Umsätze gehen zurück, der Markt ist immer schwerer berechenbar, die von der Industrie billig und künstlich gezüchteten Stars landen reihenweise im Orkus der Bedeutungslosigkeit.
Aber, das ist doch logisch. Das hätten die doch wissen müssen! Die da Anfang der 90er in Köln anfingen, sich selbst zu feiern mit Kometen und pompösen Messeauftritten. Die waren damals alle so schlau, die solariumgebräunten Vertreter der sogenannten „Major-Labels“.
Sie haben immer noch nicht begriffen, daß sie selbst das Ende der Musikindustrie sind.

Aber mal ganz ohne Emotion. Wer sind denn hier die Piraten?
Piraten sind ja böse und stinkende Vagabunden, die sich einfach was nehmen, was in aller Regel für den Handel bestimmt ist.

Was ist denn da für den Handel bestimmt?
Lediglich die Urheberrechte, Verwertungsrechte, Vervielfältigungsrechte, Senderechte…

Die Musik ist für die Industrie nur ein Vehikel!
Jetzt nehmen sich die Kunden einfach nur die Musik, mehr wollen die gar nicht.
Das ganze Rechtegeraffel interessiert den Musikfreund nicht!

So. Und jetzt wundert sich die Musikindustrie, daß das, womit sie ihr Geld verdient, eigentlich niemand haben will. Also, zumindest nicht der Kunde.
Stattdessen hat der Kunde die ganzen Jahre etwas bezahlt, was niemand braucht.

Denn diese vielen Rechte sind nur notwendig, damit ein Unternehmer mit Musik wirklich VIEL Geld verdienen kann.
Zuerst holt man sich die Rechte, dann monopolisiert man den Markt und dann quetscht man den Kunden aus. Er hat ja keine Wahl.
So. Und jetzt kam plötzlich das Internet und ein paar findige Musikfreunde entdeckten den Musiktausch. Ohne Rechte.
Herrlich.

Zwar kann man jetzt mit guter Musik nicht mehr so leicht reich werden – aber es ist so, wie vor der Erfindung der Musikindustrie: es geht um die Musik.
Ich mag das.
Nun muß nur noch die GEMA zugemacht werden.


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