Die Profis vom Filmpreis

Jetzt ist mir klar, woran der deutsche Film krankt:
Daran, dass die Protagonisten sich so verdammt gesund fühlen.

Eine Fügung ließ mich am vergangenen Freitag ins zdf zappen und ich sah eine putzmuntere, etwas zu sehr quietschende Moderatorin, deren Namen ich nicht kennen muß. Nicht falsch verstehen: ich fand, die war echt gut, aber etwas zu frisch für diese Veranstaltung.
Diese Veranstaltung enthielt nämlich verdammt viel schlechte Laune. Die Schnitte ins Publikum waren oft geradezu bedrückend.
Bei dieser Beerdigungstimmung wirkten die Gags der Moderatorin wie ein aufmunterndes „Das Leben geht weiter!“ an einen Krebspatienten.
Und warum haute sie mehrere Spitzen gegen Til Schweiger raus und warum lachte das Publikum hämisch? Nur weil er sich öffentlich gegen die Akademie geäußert hat?
Das wäre echt billig.

Naja. Das wars aber nicht, was mich so schockierte.
Viel schlimmer war, daß in den verschiedenen Kategorien immer dieselben Filme nominiert waren. Jetzt steht die Frage: gab es nur so wenig gute Produktionen in Deutschland oder gab es nur so wenig Produktionen überhaupt?
Völlige Verirrung der Filmakademie: „Fleisch ist mein Gemüse“ war nominiert! Und daß ausgerechtnet der Bandleader aus diesem Film den Preis für die beste Nebenrolle bekam, zeigt, wieweit die Juroren von der Wirklichkeit und von echtem Witz entfernt sind.

Nunja. Die Branche hat sich selbst gefeiert. Mit einer mittelmäßigen Gala-Show hat sie gezeigt, daß sie nicht nur in der Lage ist, schlechtes Kino zu produzieren. Das ist doch schon etwas!

Aber am schlimmsten fand ich: Während die Laudatoren so oder ähnlich sprachen: „Und hier die Nominierten!“, drehten sie sich zur Leinwand, anstatt wie ein Profi in die Kamera zu schauen bis zum Schnitt. Selbst Heike Makatsch.
Mann Mann Mann.

So. Die Show hatte aber auch was Gutes: Ich habe soviele Filmausschnitte aus den immergleichen Filmen gesehen, daß ich mir sicher bin, daß ich „Wolke 9″ und „John Rabe“ in Gänze sehen möchte.


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