Klang der Stille – Copying Beethoven
Jemand hat meine Welt durcheinander gebracht.
Jemand? Etwas! Ein Film: Klang der Stille.
Darf man sowas tun? Darf man ein – ja, ein was? – was ist Beethoven? – ein Denkmal? – ein Stück Menschheitsgeschichte?
Darf man also den Namen „Beethoven“ und die Beethoven-Musik, den Mythos „Beethoven“, benutzen, um ein simples Liebesdrama zu inszenieren, das mit der Realität vermutlich so ziemlich überhaupt nichts zu tun hat?
Und warum schneidet die Schauspielerin Diane Kruger, die hier die fiktive Studentin und Kopistin spielt, in vielen Kritiken so schlecht ab?
Ich verstehe gerade die Welt nicht.
Denn gerade über die Figur Anna Holtz (Diane Kruger) wird diesem Machwerk die Portion Spannung verpaßt, die man benötigt, um nicht abzuschalten.
Ich bin schockiert ob der Banalität. Mit welcher Banalität der Film mit Musik unterlegt wurde. Das hatte die Qualität von GZSZ.
Dem Beethoven (Ed Harris) wurden so viele bedeutungsschwangere Monologe geschrieben, die dann vom Film aber nicht filmisch transportiert werden. Es bleibt wichtigtuerisches Geschwätz. Beethoven kommt in diesem Film recht einfach und etwas blöd daher. Nur Diane Kruger verleiht ihrer Figur etwas Tiefe und Gefühl. Ich hatte das Gefühl, daß all die schweren Texte, die der Film-Beethoven spricht, nur deshalb Gewicht bekamen, weil Diane Kruger diese Texte wundervoll empfängt und spiegelt. Und es bleibt dem Rezipienten leider ein Rätsel, warum die Anna Holtz diesem sinilen, arroganten Patienten die Treue hält.
Nun kann man darüber streiten, ob man einer realen, geschichtlichen Figur eine Unmenge an Fiktion unterjubeln darf.
Aber daß Beethoven seine 9. Sinfonie längst in Einsamkeit und völliger Taubheit schrieb und daß er relativ reich war und recht gediegen hausierte und daß er die Uraufführung nicht mehr selbst dirigieren konnte, das weiß doch jeder, der in der Schule aufgepaßt hat.
Im Film ist alles ganz anders. Und das gefällt mir nicht.
Klar ist aber auch, daß Geschichtsschreiber und Biografen gerne ein wenig flunkern, je nachdem, wie ihr Brotherr gestrickt ist oder war.
So darf man annehmen, daß es eine Person, wie diese Anna Holtz, gegeben haben könnte. Es könnte auch sein, daß es eine solche Liebesbeziehung gab. Vielleicht war Beethoven ja auch gar nicht so taub, wie es überall geschrieben steht. Und vielleicht war er gar nicht so reich und hat tatsächlich in dieser etwas besseren Mietskaserne gewohnt.
Aber Regie und Produktion haben die Schwere, das Außergewöhnliche, das Gewaltige, das Schöne des Beethoven nicht verstanden und deshalb auch nicht umgesetzt.
Übrig bleibt ein sehr schick gedrehter, modern geschnittener Film.
Das ist ziemlich wenig. Bei dem Thema.
Schade.
2 Comments
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