Für immer. Erstmal. – 20

Sofort wurde mir ganz heiß, ich fühlte mich wie ein echter Verbrecher. – Mann, fühlte ich mich wohl!
Maria rechnete also damit, dass sie abgehört wurde. Und von Paris sollte „die Stasi“ also nichts wissen. Das bedeutete, dorthin würde sie ihr nächster Job führen.
“Ich möchte so gerne raus.“ Sah ich da Tränen? Irgendetwas flimmerte in ihren Augen, es flimmerte traurig.
„Ich bin so nervös, ich kann nicht mehr ohne Alkohol schlafen und ich traue mich nicht, mit irgendjemandem darüber zu reden. Du bist der einzige und das auch nur aus Versehen. Ich freue mich, dass du wieder gekommen bist.“
Inzwischen saßen wir zusammengekuschelt. Es war, als hätte es nie einen Streit gegeben. Nun wusste ich leider nicht, was ich sagen sollte. Abgehört zu werden, war für mich eine ganz neue Erfahrung. Es war wahrscheinlich besser, wenn man nichts davon wusste, weil man sonst unnatürlich klang, zumindest, wenn man damit noch keine Erfahrung hatte. Also grübelte ich.
Eine Idee: „Du hast doch mich; kannst dich bei mir festhalten.“
Dann fiel mir auf, dass das ziemlicher Quatsch war. Ich war ja nun wirklich kein Vorbild und erst recht niemand, den sie anhimmeln sollte. Und immer, wenn ich jemanden mitziehen wollte, habe ich versagt. Ich war mit mir selbst ausgelastet. Perfektionist und Schlampe gleichzeitig, das verbrauchte genug Kraft. Aber nun hatte ich es gesagt. Zurücknehmen ging nicht. Zumindest nicht jetzt.
Sie schwieg weiter.

Hatte der Wecker geklingelt? Was war das für ein Geräusch? Mühsam kletterte ich in Richtung Wecker und schlug ihm den Feierabend.
Sechs Uhr morgens.
Stille.
Gott bewahre!
An Stille war gar nicht zu denken. Selbst in einer verschlafenen Kleinstadt waren morgens um sechs Uhr genügend Leute mit der Erzeugung von hässlichem Lärm beschäftigt.
Aber warum ging der Wecker um diese Zeit?
“Ich will nicht.“ Maria drehte sich zu mir.
Ich lächelte. “Worum geht’s?“
“Genau darum. Heute! Jetzt.“
“Ja, und?“ Ich wusste nicht genau, was sie bezweckte, „soll ich das übernehmen?“
Ihre Augen sagten, ich sollte lieber die Finger davon lassen, aber wenn ich mir eine Kurierfahrt allein zutraute, dann wäre sie ausnahmsweise einverstanden. Aber nur dieses eine Mal.


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